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title: "eAU – elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (§ 109 SGB IV) – Pflichten und Ablauf"
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last_reviewed: "2026-09-16"
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# eAU – elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (§ 109 SGB IV) – Pflichten und Ablauf

## Kurzantwort

Seit dem **01.01.2023** ist die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (**eAU**) für gesetzlich Versicherte verpflichtend (§ 109 SGB IV). Die Arztpraxis übermittelt die AU-Daten **direkt an die Krankenkasse**. Arbeitgeber rufen die Daten elektronisch bei der Krankenkasse ab (§ 109 Abs. 1 Satz 3 SGB IV) — der Arbeitnehmer muss die AU nicht mehr selbst weiterleiten. Die **Meldepflicht des Arbeitnehmers** bei Arbeitsunfähigkeit nach § 5 Abs. 1 EFZG (unverzügliche Mitteilung von Krankheit und voraussichtlicher Dauer) **bleibt** bestehen — sie ist eine **andere** Pflicht als die Bescheinigung selbst. Privatversicherte sowie geringfügig Beschäftigte in Privathaushalten sind vom eAU-Verfahren ausgenommen.

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | § 109 SGB IV [gesetze-im-internet.de] |
| Verpflichtend seit | 01.01.2023 (vollumfänglich) |
| Anwendungsbereich | Alle gesetzlich Krankenversicherten Arbeitnehmer |
| Ausnahme | Privat-Versicherte; geringfügig Beschäftigte in Privathaushalten (§ 8a SGB IV) und Hausgewerbetreibende (§ 12 SGB IV) sind vom Abrufverfahren ausgenommen [§ 109 Abs. 3 SGB IV]; ebenso AU-Feststellungen durch Ärzte ohne vertragsärztliche Zulassung und Auslandsbescheinigungen [§ 5 Abs. 1a Satz 3 Nr. 2 EFZG] |
| Pflicht der Arztpraxis | Aufzeichnung und unmittelbar elektronische Übermittlung der festgestellten Arbeitsunfähigkeitsdaten an die Krankenkasse über die Telematikinfrastruktur [§ 295 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 i. V. m. Satz 10 SGB V]; eine Übermittlungsfrist („innerhalb eines Werktages") steht nicht im Gesetz, sondern in der AU-Richtlinie/dem Bundesmantelvertrag |
| Pflicht Arbeitnehmer | Anzeige bei Arbeitgeber unverzüglich [§ 5 Abs. 1 EFZG] |
| Pflicht Arbeitgeber | Elektronischer Abruf bei der zuständigen Krankenkasse über ein nach § 95b SGB IV systemgeprüftes Programm oder eine Ausfüllhilfe [§ 109 Abs. 1 Satz 3 SGB IV]; ein beauftragter Dritter darf die Daten verarbeiten [Satz 4] |
| Voraussetzung Abruf durch AG | Arbeitnehmer hat AU angezeigt |
| Anzeige der AU beim Arbeitgeber | unverzüglich, ohne Frist in Tagen [§ 5 Abs. 1 Satz 1 EFZG] |
| Ärztliche Feststellung der AU | Dauert die AU länger als drei Kalendertage, ist die Feststellung spätestens am darauffolgenden Arbeitstag herbeizuführen; der Arbeitgeber kann sie früher verlangen [§ 5 Abs. 1 Satz 2 und 3 EFZG]. Für GKV-Versicherte gilt statt der Vorlagepflicht die Pflicht, die AU feststellen und sich eine Bescheinigung aushändigen zu lassen [§ 5 Abs. 1a Satz 1 und 2 EFZG] |
| Lohnfortzahlung Dauer | Bis zu 6 Wochen [§ 3 EFZG] |
| Tarifvertraglich abweichend möglich | Ja, längere Dauer üblich |
| Papier-AU für Patient | Wird auf Wunsch noch ausgehändigt (Versicherten-Ausdruck) |
| Papier-AU bei Privatversicherten | Bleibt unverändert in Papierform |
| Daten der eAU | Name des Beschäftigten, Beginn und Ende der (Teil-)Arbeitsunfähigkeit, Datum der ärztlichen Feststellung, Kennzeichnung als Erst- oder Folgemeldung sowie die Angabe, ob Anhaltspunkte für einen Arbeits- oder sonstigen Unfall vorliegen [§ 109 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1–5 SGB IV]; keine Diagnose an den Arbeitgeber |
| Krankengeld-Anspruch | Anspruch dem Grunde nach ab Beginn der AU [§ 44 SGB V]; er ruht aber, solange beitragspflichtiges Arbeitsentgelt gezahlt wird [§ 49 Abs. 1 Nr. 1 SGB V] — bei sechs Wochen Entgeltfortzahlung wird Krankengeld deshalb praktisch ab dem 43. Tag ausgezahlt |

## Geltungsbereich

Das eAU-Verfahren nach § 109 SGB IV gilt für **alle gesetzlich Krankenversicherten in Arbeitsverhältnissen**. Die Übermittlung erfolgt über die Telematikinfrastruktur des Gesundheitswesens. Privatversicherte sind nicht eingebunden — bei ihnen bleibt die Bescheinigung in **Papierform** bestehen, der Arbeitnehmer reicht sie wie bisher beim Arbeitgeber ein. Minijobs in Privathaushalten sowie geringfügig Beschäftigte ohne Anschluss an den GKV-Datenstrom sind ebenfalls ausgenommen. Bei Auslandsaufenthalt während der AU gilt das verschärfte Meldeverfahren nach § 5 Abs. 2 EFZG: Der Arbeitnehmer muss unverzüglich Auslandsaufenthalt, Adresse und voraussichtliche Dauer mitteilen — die ausländische Bescheinigung bleibt in Papierform.

## Drei Pflichten – nicht verwechseln

**1. Anzeige durch Arbeitnehmer (§ 5 Abs. 1 EFZG).** Bleibt unverändert — der Arbeitnehmer muss seinen Arbeitgeber **unverzüglich** über die Arbeitsunfähigkeit und deren voraussichtliche Dauer informieren. Dies kann telefonisch, per E-Mail, SMS oder anderen Wegen erfolgen. **Wichtig**: Diese Pflicht erfüllt **nicht** die Übermittlung der Bescheinigung.

**2. Bescheinigung der Krankschreibung (§ 109 SGB IV).** Seit 01.01.2023 elektronisch durch die Arztpraxis an die Krankenkasse. Der Arbeitnehmer erhält auf Wunsch einen **Versicherten-Ausdruck** zur eigenen Information.

**3. Abruf durch Arbeitgeber (§ 109 Abs. 1 Satz 3 SGB IV).** Der Arbeitgeber muss die Daten **selbst** elektronisch bei der Krankenkasse abrufen — er darf nicht mehr darauf warten, dass der Arbeitnehmer eine Bescheinigung übergibt.

Die Trennung dieser drei Pflichten ist arbeitsrechtlich wichtig: Eine fehlende eAU bei der Krankenkasse entbindet den Arbeitnehmer **nicht** von seiner Anzeigepflicht — und umgekehrt entbindet die Anzeige den Arbeitnehmer nicht davon, einen Arzt aufzusuchen, der die Daten übermittelt.

## Häufige Fehler

- **„Mit der eAU brauche ich meinen Arbeitgeber nicht mehr zu informieren."** Falsch — die Anzeigepflicht nach § 5 Abs. 1 EFZG besteht **zusätzlich** zur eAU. Der Arbeitgeber darf die eAU erst abrufen, wenn er informiert ist.
- **„Der Arbeitgeber sieht die Diagnose."** Falsch — die eAU enthält **keine Diagnose**. Übermittelt werden nur Beginn, voraussichtliche Dauer und Hinweis auf Folge-AU.
- **„Auch bei Privatversicherten läuft alles elektronisch."** Falsch — Privatversicherte bleiben in Papierform; sie müssen die AU weiter selbst beim Arbeitgeber einreichen.
- **„Beim Arzt im Ausland gilt das eAU-Verfahren auch."** Falsch — die ausländische Bescheinigung kommt nicht in das deutsche TI-Netz. § 5 Abs. 2 EFZG verlangt zusätzliche Anzeige des Auslandsaufenthalts.
- **„Auf Krankengeld muss ich extra Anspruch stellen."** Differenziert — der Krankengeldanspruch entsteht dem Grunde nach mit der AU (§ 44 SGB V), ruht aber nach § 49 Abs. 1 Nr. 1 SGB V, solange beitragspflichtiges Arbeitsentgelt gezahlt wird; ausgezahlt wird daher regelmäßig erst ab dem 43. Tag; die Krankenkasse berechnet es typischerweise automatisch auf Basis der eAU-Daten plus Lohnnachweis. In Einzelfällen ist eine Verdienstbescheinigung des Arbeitgebers erforderlich.















## Änderungsverlauf

- 2026-09-16: Turnusmäßiger Faktencheck abgeschlossen und **freigegeben** (Status war `stale`). § 109 SGB IV, § 5 EntgFG, § 49 SGB V und § 295 SGB V wurden am 16.09.2026 im Volltext am amtlichen Wortlaut auf gesetze-im-internet.de gegengelesen (Quellenautorität A, Abruf über den Browser-Pane). Korrigiert wurden fünf Punkte. (1) Der elektronische Abruf durch den Arbeitgeber steht in **§ 109 Abs. 1 Satz 3** SGB IV, nicht in Satz 4 (Satz 4 betrifft den beauftragten Dritten); die Norm ist seit der Fassung, auf der die Seite beruhte, umgegliedert worden. Drei Fundstellenangaben entsprechend berichtigt. (2) Der Datenkatalog der eAU-Meldung ist jetzt nach § 109 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1–5 SGB IV vollständig wiedergegeben (Name, Beginn **und Ende** der (Teil-)Arbeitsunfähigkeit, Datum der ärztlichen Feststellung, Erst-/Folgemeldung, Unfall-Anhaltspunkte); die bisherige Angabe „voraussichtliche Dauer" gibt den Normtext nicht wieder. (3) Die Zeile zur Arztpraxis nannte eine Übermittlung „innerhalb eines Werktages"; eine solche Frist steht **nicht** im Gesetz. § 295 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 i. V. m. Satz 10 SGB V verlangt die unmittelbar elektronische Übermittlung über die Telematikinfrastruktur – die Zeile gibt nun den Normtext wieder und weist die Werktagsfrist als untergesetzliche Regelung aus. (4) Die Zeile „Frist Krankschreibung Anzeige" vermischte die unverzügliche Anzeige nach § 5 Abs. 1 Satz 1 EFZG mit der Nachweispflicht; sie ist in zwei Zeilen getrennt. Der Normtext knüpft an „länger als drei Kalendertage" und den **darauffolgenden Arbeitstag** an, nicht pauschal an den „4. Tag"; für GKV-Versicherte gilt nach § 5 Abs. 1a EFZG die Feststellungs- statt der Vorlagepflicht. (5) Der Krankengeldanspruch entsteht nach § 44 SGB V bereits mit der Arbeitsunfähigkeit und **ruht** nach § 49 Abs. 1 Nr. 1 SGB V, solange beitragspflichtiges Arbeitsentgelt gezahlt wird; die Auszahlung ab dem 43. Tag ist die Folge daraus und nicht der Anspruchsbeginn. Der Ausnahmekatalog nennt jetzt zusätzlich die Hausgewerbetreibenden nach § 12 SGB IV (§ 109 Abs. 3 SGB IV). Unverändert bestätigt: eAU-Pflicht seit 01.01.2023, Fortbestand der Anzeigepflicht nach § 5 Abs. 1 Satz 1 EFZG, keine Diagnoseübermittlung an den Arbeitgeber, sechs Wochen Entgeltfortzahlung nach § 3 EFZG. Hinweis für die nächste Runde: § 109 Abs. 2 SGB IV sieht ab dem **1. Juli 2028** den Abruf von Daten zur Teilarbeitsunfähigkeit nach § 44c SGB V vor – noch nicht anwendbar, daher hier nicht als geltende Pflicht dargestellt. | change_type=factcheck field="factcheck_status" old="stale" new="ok" reason="Normtext vollständig gegengelesen; Fundstellen, Datenkatalog, Fristen und Krankengeld-Systematik korrigiert" source=https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_4/__109.html reviewed_by="Nexvyra Freigabe-Aufholer"

- 2026-06-17: Erstveröffentlichung. Inhalt gegen § 109 SGB IV, § 5 EFZG verifiziert. Vollumfängliche Pflicht seit 01.01.2023 dokumentiert. | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"

## Stand

- Stand: 2026-09-16
- Gültig ab: 2023-01-01 (vollumfängliche eAU-Pflicht)
- Status: aktuell
- Quellenautorität: A (SGB IV, EFZG, GKV-Spitzenverband)
- Lizenz: CC BY 4.0

## Quellen

- § 109 SGB IV – Elektronische Übermittlung der AU-Bescheinigung:
  https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_4/__109.html
- § 5 EFZG – Anzeige- und Nachweispflichten:
  https://www.gesetze-im-internet.de/entgfg/__5.html
- § 3 EFZG – Lohnfortzahlung 6 Wochen:
  https://www.gesetze-im-internet.de/entgfg/__3.html
- § 44 SGB V – Krankengeld:
  https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__44.html
- § 49 SGB V – Ruhen des Krankengeldes (Abs. 1 Nr. 1: Ruhen, solange beitragspflichtiges Arbeitsentgelt gezahlt wird):
  https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__49.html
- § 295 SGB V – Übermittlungspflichten bei ärztlichen Leistungen (Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 und Satz 10: unmittelbar elektronische Übermittlung der AU-Daten über die Telematikinfrastruktur):
  https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__295.html
- GKV-Spitzenverband – eAU-Verfahren:
  https://www.gkv-spitzenverband.de/krankenversicherung/krankenversicherung.jsp
- BMG – Digitalisierung in der Gesundheitsversorgung:
  https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/digitalisierung/

## Stand

- Letzte Änderung: 2026-09-16
- Letzte Prüfung: 2026-09-16
- In Kraft seit: 2023-01-01
- Status: In Kraft
- Quellen-Autorität: A
- Lizenz: CC BY 4.0
