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title: "Erbenhaftung – Haftung für Nachlassverbindlichkeiten (§§ 1967 ff. BGB) – Haftungsbeschränkung, Nachlassverwaltung, Dürftigkeitseinrede"
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# Erbenhaftung – Haftung für Nachlassverbindlichkeiten (§§ 1967 ff. BGB) – Haftungsbeschränkung, Nachlassverwaltung, Dürftigkeitseinrede

## Kurzantwort

Mit dem Erbfall tritt der Erbe im Wege der **Gesamtrechtsnachfolge** (§ 1922 BGB) in das gesamte Vermögen des Erblassers ein – **einschließlich der Schulden**. Nach **§ 1967 Abs. 1 BGB** haftet der Erbe für die **Nachlassverbindlichkeiten**; dazu gehören nach **§ 1967 Abs. 2 BGB** sowohl die vom Erblasser **herrührenden Schulden** (Erblasserschulden) als auch die den Erben **als solchen treffenden** Verbindlichkeiten (Erbfallschulden), insbesondere **Pflichtteilsrechte, Vermächtnisse und Auflagen**. Diese Haftung ist zunächst **unbeschränkt** – der Erbe haftet grundsätzlich auch mit seinem **eigenen Vermögen** –, sie ist aber **beschränkbar** auf den Nachlass. Das wichtigste Mittel ist die **amtliche Nachlassabsonderung** nach **§ 1975 BGB**: Wird eine **Nachlassverwaltung** (eine Nachlasspflegschaft zur Befriedigung der Gläubiger) angeordnet oder das **Nachlassinsolvenzverfahren** eröffnet, beschränkt sich die Haftung **auf den Nachlass**. Reicht der Nachlass nicht einmal für die Kosten eines solchen Verfahrens (masseloser Nachlass), hilft die **Dürftigkeitseinrede** nach **§ 1990 BGB**: Der Erbe darf die Befriedigung verweigern, soweit der Nachlass nicht ausreicht, muss ihn aber zur Zwangsvollstreckung herausgeben. Ergänzend gibt es **aufschiebende Einreden** – die **Dreimonatseinrede** (§ 2014 BGB) und die **Einrede des Aufgebotsverfahrens** (§ 2015 BGB) –, die die Berichtigung vorübergehend hinausschieben, die Haftung aber nicht der Höhe nach begrenzen. Wichtig: Die Haftungsbeschränkung muss im Prozess aktiv geltend gemacht und im Urteil **vorbehalten** werden (§ 780 ZPO). Bei **mehreren Erben** haften die Miterben für die gemeinschaftlichen Nachlassverbindlichkeiten als **Gesamtschuldner** (§ 2058 BGB); bis zur Teilung kann jeder Miterbe die Berichtigung aus seinem Eigenvermögen verweigern (§ 2059 BGB).

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | §§ 1967–2017 BGB (Haftung des Erben für die Nachlassverbindlichkeiten); §§ 2058–2063 BGB (Miterben) [gesetze-im-internet.de] |
| Grundnorm | Der Erbe haftet für die Nachlassverbindlichkeiten (§ 1967 Abs. 1 BGB) |
| Erblasserschulden | vom Erblasser herrührende Schulden (z. B. Darlehen, Miete, Steuern) (§ 1967 Abs. 2 BGB) |
| Erbfallschulden | den Erben als solchen treffende Verbindlichkeiten, insbesondere aus Pflichtteilsrechten, Vermächtnissen und Auflagen (§ 1967 Abs. 2 BGB) |
| Grundsatz der Haftung | grundsätzlich unbeschränkt (auch mit Eigenvermögen), aber beschränkbar auf den Nachlass |
| Haftungsbeschränkung (amtlich) | Haftung beschränkt sich auf den Nachlass bei angeordneter Nachlassverwaltung oder eröffnetem Nachlassinsolvenzverfahren (§ 1975 BGB) |
| Nachlassverwaltung | Nachlasspflegschaft zum Zwecke der Befriedigung der Nachlassgläubiger (§§ 1975, 1981 BGB) |
| Dürftigkeitseinrede | bei masselosem Nachlass (NV/NI mangels Masse nicht tunlich, aufgehoben oder eingestellt): Erbe kann Befriedigung verweigern, soweit der Nachlass nicht ausreicht, muss ihn aber zur Zwangsvollstreckung herausgeben (§ 1990 BGB) |
| Erschöpfungseinrede | nach Beendigung des Nachlassinsolvenzverfahrens durch Verteilung der Masse oder durch Insolvenzplan (§ 1989 BGB i. V. m. § 1973 BGB) |
| Überschwerungseinrede | bei Überschuldung durch Vermächtnisse und Auflagen (§ 1992 BGB) |
| Dreimonatseinrede | Erbe kann Berichtigung bis zum Ablauf der ersten drei Monate nach Annahme verweigern, nicht über die Errichtung des Inventars hinaus (§ 2014 BGB) |
| Aufgebots-Einrede | Verweigerung bis zur Beendigung des Aufgebotsverfahrens der Nachlassgläubiger; Antrag binnen eines Jahres nach Annahme der Erbschaft gestellt und zugelassen (§ 2015 Abs. 1 BGB) |
| Inventar | Recht zur Errichtung (§ 1993 BGB); Inventarfrist auf Antrag eines Gläubigers durch das Nachlassgericht (§ 1994 BGB) |
| Verlust der Beschränkung | unbeschränkte Haftung bei Fristversäumung (§ 1994 Abs. 1 S. 2 BGB) oder absichtlich unrichtigem/unvollständigem Inventar (§ 2005 BGB) |
| Prozessualer Vorbehalt | beschränkte Erbenhaftung muss im Urteil vorbehalten werden (§ 780 ZPO), sonst Präklusion |
| Miterben | Haftung für gemeinschaftliche Nachlassverbindlichkeiten als Gesamtschuldner (§ 2058 BGB) |
| Miterben bis zur Teilung | jeder Miterbe kann Berichtigung aus seinem Eigenvermögen verweigern (§ 2059 Abs. 1 BGB); Gläubiger können aus dem ungeteilten Nachlass von allen verlangen (§ 2059 Abs. 2 BGB) |

## Was sind Nachlassverbindlichkeiten? (§§ 1922, 1967 BGB)

Nach dem Prinzip der **Universalsukzession** (§ 1922 Abs. 1 BGB) geht das Vermögen des Erblassers mit dessen Tod **als Ganzes** auf den oder die Erben über. Der Erbe erhält also nicht nur die Vermögenswerte (Aktiva), sondern übernimmt zugleich die **Schulden** (Passiva). Genau das regelt **§ 1967 Abs. 1 BGB**: „Der Erbe haftet für die Nachlassverbindlichkeiten."

**§ 1967 Abs. 2 BGB** unterscheidet zwei Gruppen von Nachlassverbindlichkeiten:

- **Erblasserschulden** – die „vom Erblasser herrührenden Schulden". Das sind Verbindlichkeiten, die schon zu Lebzeiten des Erblassers bestanden oder in seiner Person angelegt waren: offene Darlehen, Miet- und Kaufpreisschulden, Steuerschulden, Schadensersatzpflichten usw.
- **Erbfallschulden** – die „den Erben als solchen treffenden Verbindlichkeiten". Sie entstehen **erst durch den Erbfall** und treffen den Erben in seiner Eigenschaft als Erbe. Das Gesetz nennt ausdrücklich die Verbindlichkeiten aus **Pflichtteilsrechten** (§§ 2303 ff. BGB), **Vermächtnissen** (§§ 2147 ff. BGB) und **Auflagen** (§§ 2192 ff. BGB). Hinzu kommen etwa die Kosten der Beerdigung (§ 1968 BGB) und der Nachlassregelung.

## Grundsatz: unbeschränkte, aber beschränkbare Haftung

Der Erbe haftet zunächst **unbeschränkt**, das heißt: Solange er keine Gegenmaßnahmen ergreift, können die Nachlassgläubiger nicht nur auf den Nachlass, sondern **auch auf sein eigenes Vermögen** zugreifen. Das ist besonders dann gefährlich, wenn der Nachlass **überschuldet** ist – die Schulden also die Aktiva übersteigen.

Das Gesetz eröffnet dem Erben aber die Möglichkeit, seine Haftung **auf den Nachlass zu beschränken** (sogenannte „Trennung der Vermögensmassen"). Wer eine Überschuldung befürchtet, hat grundsätzlich zwei Wege: die **fristgerechte Ausschlagung** der Erbschaft (§§ 1942 ff. BGB) oder – wenn er Erbe bleiben will – die **Beschränkung der Haftung** auf den Nachlass nach den §§ 1975 ff. BGB. Die Haftungsbeschränkung tritt allerdings **nicht von selbst** ein; der Erbe muss sie durch die passenden Mittel herbeiführen und sich im Prozess darauf berufen.

## Haftungsbeschränkung durch Nachlassverwaltung und Nachlassinsolvenz (§ 1975 BGB)

Das zentrale Instrument ist die **amtliche Absonderung des Nachlasses** vom Eigenvermögen des Erben. **§ 1975 BGB** bestimmt: „Die Haftung des Erben für die Nachlassverbindlichkeiten beschränkt sich auf den Nachlass, wenn eine **Nachlasspflegschaft zum Zwecke der Befriedigung der Nachlassgläubiger (Nachlassverwaltung)** angeordnet oder das **Nachlassinsolvenzverfahren** eröffnet ist."

- **Nachlassverwaltung (§§ 1975, 1981 ff. BGB):** Auf Antrag des Erben (oder eines Nachlassgläubigers) ordnet das Nachlassgericht die Nachlassverwaltung an und bestellt einen **Nachlassverwalter**. Dieser verwaltet den Nachlass, zieht die Forderungen ein und befriedigt die Gläubiger aus dem Nachlassvermögen. Der Erbe verliert die Verwaltungs- und Verfügungsbefugnis, ist dafür aber vor dem Zugriff auf sein Eigenvermögen geschützt.
- **Nachlassinsolvenzverfahren (§ 1975 BGB, §§ 315 ff. InsO):** Ist der Nachlass **überschuldet** oder **zahlungsunfähig**, ist das Nachlassinsolvenzverfahren zu beantragen (Antragspflicht des Erben nach § 1980 BGB). Ein Insolvenzverwalter verteilt die Masse nach insolvenzrechtlichen Regeln.

In beiden Fällen ist die Folge dieselbe: Die persönliche Haftung des Erben ist **auf den Nachlass beschränkt**; mit seinem Eigenvermögen haftet er **nicht** mehr.

## Die Dürftigkeitseinrede bei masselosem Nachlass (§ 1990 BGB)

Häufig lohnt sich ein förmliches Verfahren nicht, weil der Nachlass **so dürftig** ist, dass er nicht einmal die Kosten der Nachlassverwaltung oder ‑insolvenz deckt. Für diesen Fall gibt **§ 1990 BGB** dem Erben die **Dürftigkeitseinrede**:

> „Ist die Anordnung der Nachlassverwaltung oder die Eröffnung des Nachlassinsolvenzverfahrens **wegen Mangels einer den Kosten entsprechenden Masse nicht tunlich** oder wird aus diesem Grunde die Nachlassverwaltung aufgehoben oder das Insolvenzverfahren eingestellt, so kann der Erbe die Befriedigung eines Nachlassgläubigers **insoweit verweigern, als der Nachlass nicht ausreicht**." (§ 1990 Abs. 1 S. 1 BGB)

Der Erbe ist dann verpflichtet, den **Nachlass zum Zwecke der Befriedigung** des Gläubigers im Wege der Zwangsvollstreckung **herauszugeben** (§ 1990 Abs. 1 S. 2 BGB). Er muss also den vorhandenen Nachlass „opfern", schützt aber sein Eigenvermögen. Die Einrede wird nicht dadurch ausgeschlossen, dass ein Gläubiger nach dem Erbfall im Wege der Zwangsvollstreckung ein Pfandrecht, eine Hypothek oder eine Vormerkung erlangt hat (§ 1990 Abs. 2 BGB). Verwandt sind die **Erschöpfungseinrede** (§ 1989 BGB) nach Beendigung des Nachlassinsolvenzverfahrens (durch Verteilung der Masse oder Insolvenzplan) und die **Überschwerungseinrede** bei Überschuldung durch Vermächtnisse und Auflagen (§ 1992 BGB).

## Aufschiebende (dilatorische) Einreden: Dreimonats- und Aufgebotseinrede (§§ 2014, 2015 BGB)

Neben den haftungsbeschränkenden Mitteln gibt es **aufschiebende Einreden**, die dem Erben Zeit verschaffen, sich einen Überblick über den Nachlass zu verschaffen – ohne die Haftung der Höhe nach zu begrenzen:

- **Dreimonatseinrede (§ 2014 BGB):** „Der Erbe ist berechtigt, die Berichtigung einer Nachlassverbindlichkeit **bis zum Ablauf der ersten drei Monate nach der Annahme der Erbschaft, jedoch nicht über die Errichtung des Inventars hinaus**, zu verweigern."
- **Einrede des Aufgebotsverfahrens (§ 2015 BGB):** Hat der Erbe den Antrag auf Einleitung des Aufgebotsverfahrens der Nachlassgläubiger (§§ 1970 ff. BGB, § 454 FamFG) innerhalb eines Jahres nach der Annahme der Erbschaft gestellt und ist der Antrag zugelassen, kann er die Berichtigung bis zur Beendigung des Aufgebotsverfahrens verweigern (§ 2015 Abs. 1 BGB).

Diese Einreden **stunden** die Forderung nur; sie führen nicht zu einer Beschränkung auf den Nachlass. Bei **unbeschränkter** Erbenhaftung sind sie ausgeschlossen (§ 2016 BGB).

## Inventar und Verlust der Haftungsbeschränkung (§§ 1993–2013 BGB)

Der Erbe darf ein **Inventar** – ein Verzeichnis des Nachlasses – errichten und beim Nachlassgericht einreichen (§ 1993 BGB). Auf **Antrag eines Nachlassgläubigers** kann das Nachlassgericht dem Erben eine **Inventarfrist** setzen (§ 1994 BGB). Wird die Frist **versäumt**, haftet der Erbe **unbeschränkt** (§ 1994 Abs. 1 S. 2 BGB). Ebenso tritt **unbeschränkte Haftung** ein, wenn der Erbe **absichtlich** eine erheblich unvollständige oder unrichtige Inventarangabe macht (§ 2005 BGB); auf Verlangen eines Gläubigers muss er die Richtigkeit an **Eides statt versichern** (§ 2006 BGB). Die Folgen der unbeschränkten Haftung regeln §§ 2013, 2016 BGB: Die haftungsbeschränkenden Rechte (u. a. §§ 1975, 1990 BGB, § 2013 Abs. 1 S. 1 BGB) und die aufschiebenden Einreden der §§ 2014, 2015 BGB (§ 2016 Abs. 1 BGB) entfallen.

## Prozessualer Vorbehalt der beschränkten Haftung (§ 780 ZPO)

Ganz wichtig für die Praxis: Die beschränkte Erbenhaftung wirkt im Prozess **nicht automatisch**. Wird der Erbe von einem Nachlassgläubiger verklagt, muss er sich die **Beschränkung seiner Haftung** im Urteil **vorbehalten** lassen (§ 780 ZPO). Fehlt dieser Vorbehalt, kann der Erbe die Haftungsbeschränkung später grundsätzlich **nicht mehr** geltend machen – der Gläubiger vollstreckt dann auch in das Eigenvermögen. Erst mit dem Vorbehalt kann der Erbe im Vollstreckungsverfahren die Beschränkung durchsetzen (§§ 781, 785, 767 ZPO). Für das Urteil unter Vorbehalt gilt § 305 ZPO.

## Haftung mehrerer Erben (Erbengemeinschaft, §§ 2058–2060 BGB)

Sind **mehrere Erben** vorhanden, haften sie für die **gemeinschaftlichen Nachlassverbindlichkeiten** als **Gesamtschuldner** (§ 2058 BGB) – jeder Gläubiger kann also die **volle** Leistung von jedem einzelnen Miterben verlangen. Der in Anspruch genommene Miterbe kann bei den anderen Rückgriff nehmen.

**Bis zur Teilung** des Nachlasses schützt § 2059 BGB die Miterben: Jeder Miterbe kann die Berichtigung der Nachlassverbindlichkeiten aus dem Vermögen, das er **außer seinem Anteil** am Nachlass hat, **verweigern** (§ 2059 Abs. 1 S. 1 BGB) – er muss also vor der Teilung nur mit seinem Erbteil einstehen, nicht mit dem Eigenvermögen. Haftet er allerdings für eine Verbindlichkeit **unbeschränkt**, gilt das nicht für den seinem Erbteil entsprechenden Teil (§ 2059 Abs. 1 S. 2 BGB). Unberührt bleibt das Recht der Gläubiger, aus dem **ungeteilten Nachlass** von **sämtlichen** Miterben Befriedigung zu verlangen (§ 2059 Abs. 2 BGB, dazu § 747 ZPO). **Nach der Teilung** bleibt es grundsätzlich bei der gesamtschuldnerischen Haftung (§ 2058 BGB); nur in den Fällen des § 2060 BGB haftet jeder Miterbe lediglich für den seinem Erbteil entsprechenden Teil, nämlich wenn der Gläubiger im Aufgebotsverfahren ausgeschlossen ist, wenn er seine Forderung später als fünf Jahre nach dem in § 1974 Abs. 1 BGB bestimmten Zeitpunkt geltend macht oder wenn das Nachlassinsolvenzverfahren durch Verteilung der Masse oder Insolvenzplan beendet worden ist.

Praktisch bedeutsam: Der Bundesfinanzhof hat entschieden, dass sich ein Miterbe für seine **eigene Erbschaftsteuerschuld nicht** auf die Haftungsbeschränkung des § 2059 Abs. 1 BGB berufen kann, weil die Erbschaftsteuer keine gemeinschaftliche Nachlassverbindlichkeit, sondern eine **eigene Schuld** des jeweiligen Erwerbers ist (BFH, Urteil vom 04.06.2019 – VII R 16/18; nachgehend BVerfG, Beschluss vom 18.04.2021 – 1 BvR 2409/19).

## Häufige Fehler

- **„Als Erbe hafte ich immer mit meinem Privatvermögen."** Nein – die Haftung ist zwar zunächst unbeschränkt, lässt sich aber über Nachlassverwaltung, Nachlassinsolvenz oder die Dürftigkeitseinrede **auf den Nachlass beschränken** (§§ 1975, 1990 BGB).
- **„Die Haftungsbeschränkung gilt von selbst."** Falsch – sie muss **aktiv herbeigeführt** und im Prozess **vorbehalten** werden (§ 780 ZPO); ohne Vorbehalt droht der Zugriff auf das Eigenvermögen.
- **„Die Dreimonatseinrede begrenzt meine Haftung."** Nein – § 2014 BGB **schiebt** die Berichtigung nur auf; die Höhe der Haftung bleibt unberührt.
- **„Nur der Erblasser-Schulden wegen hafte ich."** Unvollständig – zu den Nachlassverbindlichkeiten zählen auch die **Erbfallschulden** wie Pflichtteil, Vermächtnisse und Auflagen (§ 1967 Abs. 2 BGB).
- **„Bei masselosem Nachlass muss ich gar nichts herausgeben."** Doch – bei der Dürftigkeitseinrede ist der Erbe verpflichtet, den **vorhandenen Nachlass** zur Zwangsvollstreckung **herauszugeben** (§ 1990 Abs. 1 S. 2 BGB); nur sein Eigenvermögen bleibt geschützt.
- **„Miterben haften nur anteilig."** Sie haften als **Gesamtschuldner** (§ 2058 BGB) – auch nach der Teilung; anteilig nur in den Fällen des § 2060 BGB (Ausschluss im Aufgebotsverfahren, Fünfjahresfrist, beendetes Nachlassinsolvenzverfahren).
- **„Für die Erbschaftsteuer gilt der Nachlassschutz des § 2059."** Nein – die Erbschaftsteuer ist eine **eigene Schuld** des Erwerbers (BFH VII R 16/18).



















## Änderungsverlauf

- 2026-07-14: Erstveröffentlichung der Faktenseite, alle Quellen-URLs gegen amtliche Stellen gegengeprüft, Frontmatter-Felder gesetzt (legal_status, authority_level, wikidata_subjects). | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"
- 2026-10-02: Korrektur § 1989 BGB (Erschöpfungseinrede): greift nur nach Beendigung des Nachlassinsolvenzverfahrens durch Verteilung der Masse oder Insolvenzplan, nicht nach beendeter Nachlassverwaltung (lxgesetze.de bgb/1989) | change_type=factcheck reviewed_by="Claude (Freigabe-Aufholer)" field="body" old="nach beendeter Nachlassverwaltung/-insolvenz" new="nach Beendigung des Nachlassinsolvenzverfahrens durch Verteilung der Masse oder Insolvenzplan"
- 2026-10-02: Ergänzung § 2015 Abs. 1 BGB: Aufgebotseinrede setzt Antrag binnen eines Jahres nach Annahme und Zulassung des Antrags voraus (lxgesetze.de bgb/2015) | change_type=factcheck reviewed_by="Claude (Freigabe-Aufholer)" field="body" old="Hat der Erbe das Aufgebot ... beantragt" new="Antrag binnen eines Jahres nach Annahme gestellt und zugelassen"
- 2026-10-02: Korrektur Normzuordnung: § 2013 Abs. 1 S. 1 BGB schließt §§ 1973–1975, 1977–1980, 1989–1992 aus; der Ausschluss der §§ 2014, 2015 BGB folgt aus § 2016 Abs. 1 BGB (lxgesetze.de bgb/2013, bgb/2016) | change_type=factcheck reviewed_by="Claude (Freigabe-Aufholer)" field="body" old="§ 2013 BGB: ... §§ 1990, 2014, 2015 entfallen" new="§§ 2013, 2016 BGB"
- 2026-10-02: Korrektur § 2060 BGB: nach der Teilung haften Miterben nicht „grundsätzlich nur anteilig", sondern bleiben Gesamtschuldner; anteilige Haftung nur in den drei Fällen des § 2060 Nr. 1–3 BGB (lxgesetze.de bgb/2060) | change_type=factcheck reviewed_by="Claude (Freigabe-Aufholer)" field="body" old="nach der Teilung ... grundsätzlich nur noch anteilig" new="weiterhin Gesamtschuld; anteilig nur in den Fällen des § 2060 BGB"
- 2026-10-02: Nicht belegbare Wertung „Nichtannahme der Verfassungsbeschwerde" zu BVerfG 1 BvR 2409/19 entfernt (Az./Datum laut dejure.org-Rechtsprechungsliste zu § 2059 BGB vorhanden, Ergebnis nicht verifizierbar) | change_type=factcheck reviewed_by="Claude (Freigabe-Aufholer)" field="body" old="Verfassungsbeschwerde nicht zur Entscheidung angenommen" new="nachgehend"
- 2026-10-02: Faktencheck gegen Primärquellen (lxgesetze.de, BGB zuletzt geändert 23.07.2026; ZPO 20.05.2026): §§ 1922, 1967, 1968, 1975, 1980, 1981, 1989, 1990, 1992–1994, 2005, 2006, 2013–2016, 2058–2060 BGB, §§ 305, 747, 780, 781, 785 ZPO, § 454 FamFG geprüft; BFH VII R 16/18 (04.06.2019), BGH IV ZR 348/13 (04.06.2014) und BGH IX ZR 2/25 (20.11.2025) als existent bestätigt; Abweichungen siehe Korrekturzeilen | change_type=factcheck reviewed_by="Claude (Freigabe-Aufholer)" field="factcheck_status" old="review_needed" new="ok"

## Quellen

- § 1967 BGB – Erbenhaftung, Nachlassverbindlichkeiten:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1967.html
- § 1922 BGB – Gesamtrechtsnachfolge:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1922.html
- § 1975 BGB – Nachlassverwaltung; Nachlassinsolvenz:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1975.html
- § 1989 BGB – Erschöpfungseinrede des Erben:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1989.html
- § 1990 BGB – Dürftigkeitseinrede des Erben:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1990.html
- § 1992 BGB – Überschuldung durch Vermächtnisse und Auflagen:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1992.html
- § 1993 BGB – Inventarerrichtung:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1993.html
- § 1994 BGB – Inventarfrist:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1994.html
- § 2005 BGB – Unrichtiges Inventar, unbeschränkte Haftung:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2005.html
- § 2013 BGB – Folgen der unbeschränkten Haftung des Erben:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2013.html
- § 2014 BGB – Dreimonatseinrede:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2014.html
- § 2015 BGB – Einrede des Aufgebotsverfahrens:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2015.html
- § 2058 BGB – Gesamtschuldnerische Haftung der Miterben:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2058.html
- § 2059 BGB – Haftung bis zur Teilung:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2059.html
- § 2060 BGB – Haftung nach der Teilung:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2060.html
- § 780 ZPO – Vorbehalt der beschränkten Erbenhaftung:
  https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__780.html
- §§ 1967 ff. BGB (dejure.org, mit Rechtsprechungsnachweisen):
  https://dejure.org/gesetze/BGB/1967.html
- § 1990 BGB (dejure.org):
  https://dejure.org/gesetze/BGB/1990.html
- § 2059 BGB (dejure.org):
  https://dejure.org/gesetze/BGB/2059.html
- BFH, Urteil vom 04.06.2019 – VII R 16/18 (keine Beschränkung nach § 2059 Abs. 1 BGB für Erbschaftsteuerschulden):
  https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BFH&Datum=04.06.2019&Aktenzeichen=VII%20R%2016/18
- BVerfG, Beschluss vom 18.04.2021 – 1 BvR 2409/19 (nachgehendes Verfahren zu BFH VII R 16/18):
  https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BVerfG&Datum=18.04.2021&Aktenzeichen=1%20BvR%202409/19
- BGH, Urteil vom 20.11.2025 – IX ZR 2/25 (Dürftigkeitseinrede des Staatserben):
  https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=20.11.2025&Aktenzeichen=IX%20ZR%202/25
- BGH, Urteil vom 04.06.2014 – IV ZR 348/13 (Verjährung in Nachlasssachen bei mehreren Erben):
  https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=04.06.2014&Aktenzeichen=IV%20ZR%20348/13

## Stand

- Letzte Änderung: 2026-10-02
- Letzte Prüfung: 2026-10-02
- In Kraft seit: 1900-01-01
- Status: In Kraft
- Quellen-Autorität: A
- Lizenz: CC BY 4.0
