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title: "EU-Entwaldungsverordnung (VO 2023/1115) – Entwaldungsfreie Lieferketten, Fristen 2026/2027, Sorgfaltspflichten"
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# EU-Entwaldungsverordnung (VO 2023/1115) – Entwaldungsfreie Lieferketten, Fristen 2026/2027, Sorgfaltspflichten

## Kurzantwort

Die **Verordnung (EU) 2023/1115 über entwaldungsfreie Produkte** (englisch *EU Deforestation Regulation*, kurz **EUDR**) verpflichtet Unternehmen, die **Rinder, Kakao, Kaffee, Ölpalme (Palmöl), Kautschuk, Soja und Holz** sowie daraus hergestellte Erzeugnisse (z. B. Schokolade, Reifen, Möbel, Papier) in der EU in Verkehr bringen oder aus der EU ausführen, den Nachweis zu führen, dass diese Produkte **entwaldungsfrei** sind – also auf Flächen erzeugt wurden, die **nach dem 31. Dezember 2020 nicht gerodet** wurden. Die Verordnung ist am **29. Juni 2023 in Kraft** getreten und ersetzt die alte EU-Holzhandelsverordnung (EUTR, VO 995/2010). Als **EU-Verordnung gilt sie unmittelbar in Deutschland** – ein nationales Umsetzungsgesetz ist für die materiellen Pflichten nicht nötig (das deutsche Durchführungsgesetz regelt Zuständigkeiten, Befugnisse sowie Straf- und Bußgeldvorschriften; der Regierungsentwurf, BT-Drs. 21/8278 vom 30.09.2026, mit vorgesehenem Inkrafttreten am 30.12.2026 liegt dem Bundestag vor, das Gesetz ist noch nicht in Kraft). Der Anwendungsbeginn wurde **zweimal verschoben**: Durch die **Verordnung (EU) 2025/2650** vom 19. Dezember 2025 gilt die EUDR nun für **große und mittlere Unternehmen ab dem 30. Dezember 2026** und für **Kleinst- und Kleinunternehmen ab dem 30. Juni 2027**. Verstöße können mit Geldbußen (Höchstbetrag **mindestens 4 % des unionsweiten Jahresumsatzes**), Einziehung der Waren und Ausschluss von öffentlichen Aufträgen geahndet werden (Art. 25). Zuständige Behörde in Deutschland ist die **Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)**.

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | Verordnung (EU) 2023/1115 über entwaldungsfreie Produkte (EUDR) [eur-lex.europa.eu, CELEX:32023R1115] |
| Rechtsnatur | EU-Verordnung – unmittelbar in DE anwendbar, kein materielles Umsetzungsgesetz nötig |
| Inkrafttreten | 29. Juni 2023 (20 Tage nach Veröffentlichung im Amtsblatt vom 9. Juni 2023) [Art. 38 VO (EU) 2023/1115] |
| Ersetzt | EU-Holzhandelsverordnung (EUTR) VO (EU) Nr. 995/2010 [Art. 37 VO (EU) 2023/1115] |
| Betroffene Rohstoffe | Rinder, Kakao, Kaffee, Ölpalme, Kautschuk, Soja, Holz + Folgeprodukte (Schokolade, Reifen, Möbel, Papier u. a.) [Anhang I; ec.europa.eu] |
| Änderung Anhang I | Delegierte VO (EU) 2026/2102 vom 13.07.2026 (ABl. 17.09.2026, in Kraft 18.09.2026): Rindshäute und Rindsleder (HS 4101, 4104, 4107) aus Anhang I gestrichen; löslicher Kaffee, gefrorene Rinderzungen und bestimmte Palmöl-Derivate neu aufgenommen, gelten ab 30.12.2027 [eur-lex.europa.eu, CELEX:32026R2102; ec.europa.eu] |
| Stichtag Entwaldungsfreiheit | Erzeugung auf Flächen, die nach dem 31.12.2020 nicht gerodet/degradiert wurden [Art. 2 VO (EU) 2023/1115] |
| Anwendung große + mittlere Unternehmen | 30. Dezember 2026 (verschoben) [VO (EU) 2025/2650; ec.europa.eu] |
| Anwendung Kleinst- + Kleinunternehmen | 30. Juni 2027 (verschoben) [VO (EU) 2025/2650; ec.europa.eu] |
| Kleinst-/Kleinunternehmen bereits unter EUTR | 30. Dezember 2026 [ec.europa.eu] |
| 1. Verschiebung | VO (EU) 2024/3234 (Dez. 2024): auf 30.12.2025 / 30.06.2026 |
| 2. Verschiebung + Vereinfachung | VO (EU) 2025/2650 vom 19.12.2025 (Amtsblatt 23.12.2025): auf 30.12.2026 / 30.06.2027 [eur-lex.europa.eu, CELEX:32025R2650] |
| Kernpflicht | Sorgfaltserklärung (Due-Diligence-Statement) mit Geolokalisierungsdaten der Erzeugungsflächen [Art. 4, 9, 33 VO (EU) 2023/1115] |
| Sorgfaltspflicht-Schritte | Informationssammlung + Risikobewertung + Risikominderung [Art. 8–11 VO (EU) 2023/1115] |
| Länder-Benchmarking | Einstufung niedriges / normales / hohes Risiko (Durchführungsverordnung) [Art. 29 VO (EU) 2023/1115] |
| EU-Informationssystem | live seit 4. Dezember 2024 [Art. 33; ec.europa.eu] |
| Sanktion Geldbuße | Höchstbetrag mindestens 4 % des unionsweiten Jahresumsatzes (juristische Personen, Vorjahr der Entscheidung) [Art. 25 Abs. 2 Buchst. a VO (EU) 2023/1115] |
| Weitere Sanktionen | Einziehung der Waren + Erlöse, Ausschluss von öffentlichen Aufträgen/Förderung (bis 12 Monate), vorübergehendes Vertriebs-/Export-Verbot [Art. 25 VO (EU) 2023/1115] |
| Zuständige Behörde DE | Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE); Primärproduktion Land-/Forstwirtschaft: Landesbehörden [ble.de] |
| Nationale Durchführung DE | Regierungsentwurf Entwaldungsfreie-Produkte-VO-Durchführungsgesetz, BT-Drs. 21/8278 vom 30.09.2026, noch nicht in Kraft (vorgesehenes Inkrafttreten 30.12.2026) – regelt Zuständigkeiten, Befugnisse, Straf-/Bußgeldvorschriften |

## Geltungsbereich

Die EUDR erfasst **Marktteilnehmer (Operators)** und **Händler (Traders)**, die relevante Rohstoffe oder daraus hergestellte Erzeugnisse **auf dem EU-Markt in Verkehr bringen, bereitstellen oder aus der EU ausführen**. Erfasst sind sieben Rohstoffe – **Rinder, Kakao, Kaffee, Ölpalme, Kautschuk, Soja und Holz** – sowie eine in **Anhang I** abschließend aufgeführte Liste von Folgeprodukten (u. a. Rindfleisch, Schokolade, Kaffee, Palmöl-Derivate, Reifen aus Naturkautschuk, Sojaschrot, Möbel, Papier und Zellstoff; Rindsleder wurde durch die Delegierte VO (EU) 2026/2102 gestrichen).

Da es sich um eine **EU-Verordnung** handelt, gilt sie **unmittelbar in allen Mitgliedstaaten** und damit auch in Deutschland – anders als eine Richtlinie braucht sie kein nationales Umsetzungsgesetz für die inhaltlichen Pflichten. Das in Deutschland geplante **Durchführungsgesetz** legt die zuständigen Behörden, Kontrollbefugnisse sowie Straf- und Bußgeldtatbestände fest; der Regierungsentwurf (BT-Drs. 21/8278 vom 30.09.2026) befindet sich im Gesetzgebungsverfahren und ist noch nicht in Kraft.

## Details

### Entwaldungsfreiheit und Stichtag 31.12.2020

Ein Produkt gilt nach **Art. 2 VO (EU) 2023/1115** nur dann als „entwaldungsfrei", wenn die betroffenen Rohstoffe auf Flächen erzeugt wurden, die **nach dem 31. Dezember 2020 nicht entwaldet** wurden, und – im Fall von Holz – der Wald nicht nach diesem Stichtag **degradiert** wurde. Der Stichtag gilt unabhängig davon, ob die Rodung im jeweiligen Erzeugerland legal war. Zusätzlich müssen die Erzeugnisse **im Einklang mit den Rechtsvorschriften des Erzeugerlandes** produziert worden sein (Legalitätsanforderung).

### Sorgfaltspflicht und Sorgfaltserklärung

Marktteilnehmer müssen vor dem Inverkehrbringen eine **Sorgfaltspflicht (Due Diligence)** in drei Schritten durchlaufen (Art. 8–11): (1) **Informationssammlung** einschließlich der **Geolokalisierungskoordinaten** aller Grundstücke, auf denen die Rohstoffe erzeugt wurden; (2) **Risikobewertung**; (3) **Risikominderung**. Anschließend ist über das **EU-Informationssystem** (seit 4. Dezember 2024 verfügbar) eine **Sorgfaltserklärung** mit Referenznummer abzugeben (Art. 33). Ohne gültige Sorgfaltserklärung dürfen die Produkte nicht in Verkehr gebracht werden.

### Länder-Benchmarking (niedriges / normales / hohes Risiko)

Über eine **Durchführungsverordnung** stuft die Kommission Erzeugerländer bzw. Regionen in die Risikoklassen **niedrig, normal und hoch** ein (Art. 29). Bei Rohstoffen aus **Ländern mit niedrigem Risiko** gelten **vereinfachte Sorgfaltspflichten**; bei hohem Risiko sind verstärkte Kontrollen durch die Behörden vorgesehen.

### Zwei Verschiebungen und Vereinfachungen 2024/2025

Ursprünglich sollte die EUDR ab **30. Dezember 2024** (bzw. 30. Juni 2025 für Kleinunternehmen) gelten. Mit der **Verordnung (EU) 2024/3234** (Dezember 2024) wurde der Beginn um ein Jahr verschoben. Mit der **Verordnung (EU) 2025/2650 vom 19. Dezember 2025** (Amtsblatt 23. Dezember 2025) folgte eine **zweite Verschiebung um ein weiteres Jahr** samt Vereinfachungen: **große und mittlere Unternehmen ab 30. Dezember 2026**, **Kleinst- und Kleinunternehmen ab 30. Juni 2027**. Kleinst-/Kleinunternehmen, die bereits unter die alte EUTR fielen, starten am 30. Dezember 2026. Zu den Erleichterungen zählen u. a., dass **nachgelagerte Marktteilnehmer (downstream operators)** nur die Referenznummern ihrer Lieferanten einsammeln müssen (keine eigene Sorgfaltserklärung), und dass **Kleinst-/Kleinprimärerzeuger** eine **einmalige vereinfachte Erklärung** abgeben können.

### Sanktionen (Art. 25)

Die Mitgliedstaaten müssen **wirksame, verhältnismäßige und abschreckende Sanktionen** festlegen. Die **Höchstgeldbuße muss bei juristischen Personen mindestens 4 % des unionsweiten Gesamtjahresumsatzes** des Marktteilnehmers, nachgelagerten Marktteilnehmers oder Händlers im Geschäftsjahr vor der Entscheidung betragen. Hinzu kommen die **Einziehung** der betroffenen Produkte und der daraus erzielten Erlöse, der **Ausschluss von öffentlichen Vergabeverfahren und öffentlicher Förderung** (bis zu zwölf Monate) sowie ein **vorübergehendes Verbot**, EUDR-relevante Waren in Verkehr zu bringen oder auszuführen.

## Häufige Fehler

- **„Die EUDR gilt schon seit Ende 2024/2025."** Nein – der Anwendungsbeginn wurde zweimal verschoben. Für große/mittlere Unternehmen greift sie erst ab **30. Dezember 2026**, für Kleinunternehmen ab **30. Juni 2027**.
- **„Als EU-Verordnung braucht sie ein deutsches Umsetzungsgesetz, um zu gelten."** Nein – die Verordnung gilt unmittelbar. Das nationale Durchführungsgesetz regelt nur Zuständigkeiten und Bußgelder und ist noch nicht in Kraft.
- **„Betroffen ist nur Holz."** Erfasst sind **sieben Rohstoffe** (Rinder, Kakao, Kaffee, Ölpalme, Kautschuk, Soja, Holz) plus zahlreiche Folgeprodukte wie Schokolade, Reifen, Möbel und Papier.
- **„Legale Rodung ist unproblematisch."** Maßgeblich ist der **Stichtag 31.12.2020** – Flächen, die danach gerodet wurden, disqualifizieren das Produkt unabhängig von der Legalität der Rodung.
- **„Kleine Händler in der Lieferkette müssen eine eigene Sorgfaltserklärung abgeben."** Nachgelagerte Marktteilnehmer müssen nach der Vereinfachung von 2025 grundsätzlich nur die **Referenznummern** ihrer Lieferanten sammeln und weitergeben.













## Änderungsverlauf

- 2026-07-09: Erstveröffentlichung. Kernfristen (Inkrafttreten 29.06.2023; zweifache Verschiebung des Anwendungsbeginns auf 30.12.2026 für große/mittlere und 30.06.2027 für Kleinst-/Kleinunternehmen) gegen EU-Kommission (environment.ec.europa.eu, konsolidierte Fassung 02023R1115-20251226) und EUR-Lex (CELEX:32023R1115, CELEX:32025R2650) geprüft. Rohstoffliste, Stichtag 31.12.2020, Sorgfaltspflicht-Systematik und Sanktionsrahmen (Art. 25, mind. 4 % EU-Jahresumsatz) gegen EUR-Lex und EU-Kommission verifiziert. Zuständigkeit BLE gegen ble.de geprüft. factcheck_status=review_needed, da (a) das deutsche EUDR-Durchführungsgesetz noch im Gesetzgebungsverfahren ist und konkrete nationale Bußgeldtatbestände noch nicht final feststehen und (b) die endgültige konsolidierte Fassung der VO (EU) 2025/2650 im Detail (Definition „downstream operators", Umfang der vereinfachten Erklärung) noch der Einzelprüfung bedarf. | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"
- 2026-10-02: Prüfung gegen VO (EU) 2023/1115 i. d. F. VO (EU) 2025/2650 (EUR-Lex, Art. 25, 37, 38) und Delegierte VO (EU) 2026/2102 (ABl. 17.09.2026): Rindsleder (HS 4101/4104/4107) aus Anhang I gestrichen, Leder-Nennungen entfernt, Anhang-I-Änderung ergänzt | change_type=factcheck reviewed_by="Claude (Freigabe-Aufholer)" field="topic_text" old="Leder im Anwendungsbereich" new="Leder gestrichen (VO 2026/2102)"
- 2026-10-02: Art. 25 Abs. 2 Buchst. a: 4 % ist Mindest-Höchstbetrag der Geldbuße bezogen auf den unionsweiten (nicht mitgliedstaatlichen) Jahresumsatz; Text korrigiert | change_type=factcheck reviewed_by="Claude (Freigabe-Aufholer)" field="sanktion_geldbusse" old="mindestens 4 % des EU-Jahresumsatzes im betreffenden Mitgliedstaat" new="Höchstbetrag mindestens 4 % des unionsweiten Jahresumsatzes"
- 2026-10-02: Stand deutsches Durchführungsgesetz aktualisiert: Regierungsentwurf BT-Drs. 21/8278 vom 30.09.2026 (Inkrafttreten vorgesehen 30.12.2026), noch nicht in Kraft; Anwendungsdaten 30.12.2026 / 30.06.2027 gegen Art. 38 i. d. F. VO (EU) 2025/2650 und Kommissionsseite bestätigt | change_type=factcheck reviewed_by="Claude (Freigabe-Aufholer)" field="stand_de_durchfuehrung" old="noch in Abstimmung (Stand 07/2026)" new="Regierungsentwurf im Bundestag (BT-Drs. 21/8278)"
- 2026-10-02: Faktencheck abgeschlossen (Primärquellen siehe Zeilen oben bzw. Quellenliste) | change_type=factcheck reviewed_by="Claude (Freigabe-Aufholer)" field="factcheck_status" old="review_needed" new="ok"

## Stand

- Stand: 2026-10-02
- Gültig ab: 2023-06-29 (Inkrafttreten)
- Status: aktuell
- Quellenautorität: A (EUR-Lex CELEX:32023R1115 / CELEX:32025R2650, EU-Kommission, BLE)
- Lizenz: CC BY 4.0

## Quellen

- Verordnung (EU) 2023/1115 über entwaldungsfreie Produkte (EUDR, Volltext DE):
  https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32023R1115
- Verordnung (EU) 2023/1115 – konsolidierte Fassung (Stand 26.12.2025):
  https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:02023R1115-20251226
- Verordnung (EU) 2025/2650 (2. Verschiebung + Vereinfachung, 19.12.2025):
  https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2025/2650/oj
- Verordnung (EU) 2024/3234 (1. Verschiebung, Dez. 2024):
  https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2024/3234/oj
- EU-Kommission – Regulation on Deforestation-free Products (Fristen, Rohstoffliste):
  https://environment.ec.europa.eu/topics/forests/deforestation/regulation-deforestation-free-products_en
- BLE – Was ist die EUDR? (zuständige Behörde Deutschland):
  https://www.ble.de/DE/Themen/Wald-Holz/Entwaldungsfreie-Produkte/Was-ist-die-EUDR/EUDR-Info_node.html
- BMLEH – EU-weit einheitliche Regelung für entwaldungsfreie Lieferketten:
  https://www.bmleh.de/DE/themen/wald/waelder-weltweit/entwaldungsfreie-Lieferketten-eu-vo.html

## Stand

- Letzte Änderung: 2026-10-02
- Letzte Prüfung: 2026-10-02
- In Kraft seit: 2023-06-29
- Status: In Kraft
- Quellen-Autorität: A
- Lizenz: CC BY 4.0
