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title: "Vorvertragliche Informationspflichten bei Pauschalreisen (§ 651d BGB, Art. 250 EGBGB) – Formblatt, Vertragsinhalt, Beweislast"
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# Vorvertragliche Informationspflichten bei Pauschalreisen (§ 651d BGB, Art. 250 EGBGB) – Formblatt, Vertragsinhalt, Beweislast

## Kurzantwort

Ein Reiseveranstalter muss den Reisenden **vor Abgabe von dessen Vertragserklärung** über die wesentlichen Merkmale der Pauschalreise unterrichten (§ 651d Abs. 1 BGB). Inhalt und Form dieser Unterrichtung richten sich nach **Artikel 250 §§ 1 bis 3 EGBGB**: Die Angaben müssen **klar, verständlich und in hervorgehobener Weise** mitgeteilt werden (Art. 250 § 1 Abs. 1 EGBGB), und der Reisende muss ein **zutreffend ausgefülltes Formblatt** nach dem amtlichen Muster (Anlage 11 EGBGB) erhalten (Art. 250 § 2 Abs. 1 EGBGB). Der Katalog der Pflichtangaben in **Art. 250 § 3 EGBGB** reicht von den wesentlichen Eigenschaften der Reiseleistungen (Bestimmungsort, Termine, Transportmittel, Unterkunft, Mahlzeiten) über Gesamtpreis und Zahlungsmodalitäten bis zu Pass-/Visumerfordernissen und dem Hinweis auf das Rücktrittsrecht. Zwei Folgen sind besonders wichtig: **zusätzliche Gebühren, Entgelte und Kosten fallen dem Reisenden nur zur Last, wenn er vorher über sie informiert wurde** (§ 651d Abs. 2 BGB), und ein wesentlicher Teil der Angaben **wird automatisch Vertragsinhalt** (§ 651d Abs. 3 S. 1 BGB). Für die Erfüllung seiner Informationspflichten trägt **der Reiseveranstalter die Beweislast** (§ 651d Abs. 4 BGB).

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | § 651d BGB (Informationspflichten; Vertragsinhalt) [gesetze-im-internet.de] |
| Ausführungsvorschriften | Art. 250 §§ 1–3 EGBGB (Form, Formblatt, Angabenkatalog) [gesetze-im-internet.de] |
| In Kraft seit | 01.07.2018 (Drittes Gesetz zur Änderung reiserechtlicher Vorschriften, BGBl. I S. 2394) |
| Umsetzung | EU-Pauschalreiserichtlinie (EU) 2015/2302 |
| Zeitpunkt der Unterrichtung | Vor Abgabe der Vertragserklärung des Reisenden [§ 651d Abs. 1 BGB; Art. 250 § 1 Abs. 1 EGBGB] |
| Form der Unterrichtung | Klar, verständlich, in hervorgehobener Weise; schriftlich leserlich [Art. 250 § 1 Abs. 1 EGBGB] |
| Formblatt-Pflicht | Zutreffend ausgefülltes Muster nach Anlage 11 EGBGB [Art. 250 § 2 Abs. 1 EGBGB] |
| Sonderfall § 651u (verbundene Beförderung) | Formblatt nach Anlage 12 EGBGB [Art. 250 § 2 Abs. 2 EGBGB] |
| Telefonischer Vertragsschluss | Formblatt-Informationen dürfen telefonisch erteilt werden [Art. 250 § 2 Abs. 3 EGBGB] |
| Angabenkatalog | Art. 250 § 3 Nr. 1–8 EGBGB (Leistungen, Veranstalter, Preis, Zahlung, Mindestteilnehmer, Pass/Visum, Rücktritt, Versicherungshinweis) |
| Zusatzkosten nur bei Vorabinformation | Gebühren/Entgelte/Kosten nur bei Information nach Art. 250 § 3 Nr. 3 EGBGB [§ 651d Abs. 2 BGB] |
| Automatischer Vertragsinhalt | Angaben nach Art. 250 § 3 Nr. 1, 3–5 und 7 EGBGB [§ 651d Abs. 3 S. 1 BGB] |
| Abweichung möglich | Nur bei ausdrücklicher Vereinbarung der Parteien [§ 651d Abs. 3 S. 1 BGB] |
| Vertragsabschrift/-bestätigung | Bei oder unverzüglich nach Vertragsschluss [§ 651d Abs. 3 S. 2 BGB; Art. 250 § 6 EGBGB] |
| Reiseunterlagen | Rechtzeitig vor Reisebeginn [§ 651d Abs. 3 S. 3 BGB; Art. 250 § 7 EGBGB] |
| Beweislast | Reiseveranstalter trägt Beweislast für Erfüllung der Informationspflichten [§ 651d Abs. 4 BGB] |
| Zwingender Charakter | Halbzwingend zugunsten des Reisenden [§ 651y BGB] |

## Geltungsbereich

§ 651d BGB gilt für **Pauschalreiseverträge** im Sinne des § 651a BGB, also die Zusammenstellung von mindestens zwei verschiedenen Arten von Reiseleistungen zu einem Gesamtpreis. Die Vorschrift setzt die **EU-Pauschalreiserichtlinie (EU) 2015/2302** um und gilt seit dem **1. Juli 2018**. Nach § 651d Abs. 1 S. 2 BGB erfüllt der Reiseveranstalter mit seiner vorvertraglichen Unterrichtung **zugleich die Informationspflichten des Reisevermittlers** aus § 651v Abs. 1 S. 1 BGB. Für **verbundene Online-Buchungsverfahren** nach § 651c BGB und für **Gastschulaufenthalte** nach § 651u BGB gelten über § 651d Abs. 5 BGB und Art. 250 §§ 4 und 8 EGBGB besondere Zusatzregeln. Die Informationspflichten sind nach § 651y BGB **halbzwingend**: Von ihnen kann nicht zum Nachteil des Reisenden abgewichen werden.

## Form und Zeitpunkt der Unterrichtung (Art. 250 §§ 1, 2 EGBGB)

Die Unterrichtung muss erfolgen, **bevor der Reisende seine Vertragserklärung abgibt** (Art. 250 § 1 Abs. 1 S. 1 EGBGB). Die Informationen sind **klar, verständlich und in hervorgehobener Weise** mitzuteilen; werden sie schriftlich erteilt, müssen sie **leserlich** sein (Art. 250 § 1 Abs. 1 S. 2 EGBGB). Ändern sich die vorvertraglichen Informationen noch vor Vertragsschluss, sind auch diese Änderungen dem Reisenden in gleicher Weise mitzuteilen (Art. 250 § 1 Abs. 2 EGBGB).

Zentrales Instrument ist das **Formblatt**: Dem Reisenden ist ein **zutreffend ausgefülltes Formblatt gemäß dem Muster in Anlage 11 EGBGB** zur Verfügung zu stellen (Art. 250 § 2 Abs. 1 EGBGB). Dieses Standard-Informationsblatt fasst die Kernrechte des Reisenden (Pauschalreise, Insolvenzschutz, Ansprechpartner) zusammen. Bei Verträgen über **Gastschulaufenthalte** nach § 651u BGB tritt an dessen Stelle das Formblatt nach **Anlage 12 EGBGB** (Art. 250 § 2 Abs. 2 EGBGB). Soll der Vertrag **telefonisch** geschlossen werden, dürfen die Formblatt-Informationen ausnahmsweise **telefonisch** erteilt werden (Art. 250 § 2 Abs. 3 EGBGB).

## Welche Angaben Pflicht sind (Art. 250 § 3 EGBGB)

Der Angabenkatalog umfasst — soweit für die konkrete Pauschalreise erheblich — insbesondere:

- **Wesentliche Eigenschaften der Reiseleistungen** (Nr. 1): Bestimmungsort(e) und Zeiträume mit Datum und Anzahl der Übernachtungen, Reiseroute, Transportmittel (Merkmale und Klasse), Ort/Tag/Zeit von Ab- und Rückreise samt Zwischenstationen, Unterkunft (Lage, Hauptmerkmale, ggf. touristische Einstufung nach den Regeln des Bestimmungslandes), Mahlzeiten, inbegriffene Besichtigungen/Ausflüge, ggf. Gruppenreise-Hinweis und -größe, ggf. Sprache der Leistungen sowie die Eignung für Personen mit eingeschränkter Mobilität.
- **Identität des Reiseveranstalters** (Nr. 2): Firma bzw. Name, Anschrift der Niederlassung, Telefonnummer und ggf. E-Mail-Adresse — gegebenenfalls auch die des Reisevermittlers.
- **Reisepreis** (Nr. 3): Gesamtpreis einschließlich Steuern und ggf. aller zusätzlichen Gebühren, Entgelte und sonstigen Kosten; lassen sich diese vorab nicht bestimmen, ist die **Art** der möglichen Mehrkosten anzugeben.
- **Zahlungsmodalitäten** (Nr. 4): einschließlich Anzahlungsbetrag oder -prozentsatz und Zeitplan für die Restzahlung.
- **Mindestteilnehmerzahl** (Nr. 5) sowie die Frist, bis zu der ein Rücktritt des Veranstalters wegen Nichterreichens gemäß § 651h Abs. 4 S. 1 Nr. 1 BGB zugehen muss.
- **Pass- und Visumerfordernisse** des Bestimmungslandes einschließlich ungefährer Bearbeitungsfristen sowie gesundheitspolizeiliche Formalitäten (Nr. 6).
- **Hinweis auf das jederzeitige Rücktrittsrecht** des Reisenden vor Reisebeginn gegen angemessene Entschädigung bzw. Entschädigungspauschale (Nr. 7).
- **Hinweis auf mögliche Reiserücktritts-/Beistandsversicherung** zur Deckung von Unterstützungs- und Rückbeförderungskosten bei Unfall, Krankheit oder Tod (Nr. 8).

## Rechtsfolgen fehlerhafter oder unterlassener Information

**Zusatzkosten (§ 651d Abs. 2 BGB).** Zusätzliche Gebühren, Entgelte und sonstige Kosten fallen dem Reisenden **nur dann zur Last, wenn er über sie vor Abgabe seiner Vertragserklärung nach Art. 250 § 3 Nr. 3 EGBGB informiert** wurde. Wer also z. B. auf Bearbeitungs- oder Serviceentgelte nicht vorab hingewiesen wurde, muss sie nicht tragen.

**Automatischer Vertragsinhalt (§ 651d Abs. 3 S. 1 BGB).** Die nach **Art. 250 § 3 Nr. 1, 3 bis 5 und 7 EGBGB** gemachten Angaben — also die wesentlichen Leistungsmerkmale, der Preis, die Zahlungsmodalitäten, die Mindestteilnehmerzahl und der Rücktrittshinweis — **werden Inhalt des Vertrags**, es sei denn, die Parteien haben ausdrücklich etwas anderes vereinbart. Was der Prospekt oder das Formblatt zusagt, gilt damit als geschuldete Leistung; Abweichungen sind ein **Reisemangel** (§ 651i BGB).

**Vertragsabschrift und Reiseunterlagen (§ 651d Abs. 3 S. 2, 3 BGB).** Der Veranstalter muss dem Reisenden **bei oder unverzüglich nach Vertragsschluss** eine Abschrift oder Bestätigung des Vertrags (Art. 250 § 6 EGBGB) und **rechtzeitig vor Reisebeginn** die notwendigen Reiseunterlagen (Art. 250 § 7 EGBGB) zur Verfügung stellen.

**Beweislast (§ 651d Abs. 4 BGB).** Kommt es zum Streit, muss **der Reiseveranstalter beweisen**, dass er seine Informationspflichten erfüllt hat — nicht der Reisende die Unterlassung. Das verschafft dem Reisenden eine starke Position, wenn Zusatzkosten oder Leistungsinhalte streitig sind.

## Häufige Fehler

- **„Mündliche Zusagen des Reisebüros zählen nicht."** Falsch — die wesentlichen Angaben nach Art. 250 § 3 Nr. 1, 3–5 und 7 EGBGB werden nach § 651d Abs. 3 S. 1 BGB automatisch Vertragsinhalt; Abweichungen sind Reisemängel.
- **„Nachträglich berechnete Servicegebühren muss ich zahlen."** Nicht ohne Vorabinformation — Zusatzkosten fallen dem Reisenden nur zur Last, wenn er vor der Buchung nach Art. 250 § 3 Nr. 3 EGBGB darüber informiert wurde (§ 651d Abs. 2 BGB).
- **„Ich muss beweisen, dass ich nicht informiert wurde."** Falsch — die Beweislast für die Erfüllung der Informationspflichten trägt der Reiseveranstalter (§ 651d Abs. 4 BGB).
- **„Das Formblatt ist nur eine unverbindliche Werbebroschüre."** Falsch — die Bereitstellung des ausgefüllten Musterformblatts nach Anlage 11 EGBGB ist gesetzliche Pflicht (Art. 250 § 2 Abs. 1 EGBGB).
- **„Die Informationspflichten gelten auch für Einzelleistungen."** Nur eingeschränkt — § 651d BGB gilt für Pauschalreisen nach § 651a BGB; für reine Einzelleistungen greifen andere Regeln.











## Änderungsverlauf

- 2026-08-07: Erstveröffentlichung. Wortlaut § 651d BGB und Art. 250 §§ 1–3 EGBGB gegen gesetze-im-internet.de verifiziert (Fassung seit 01.07.2018, BGBl. I S. 2394). | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"

## Stand

- Stand: 2026-08-07
- Gültig ab: 2018-07-01 (Umsetzung Pauschalreiserichtlinie)
- Status: aktuell
- Quellenautorität: A (BGB, EGBGB, EU-Richtlinie)
- Lizenz: CC BY 4.0

## Quellen

- § 651d BGB – Informationspflichten; Vertragsinhalt:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__651d.html
- Art. 250 § 1 EGBGB – Form und Zeitpunkt der vorvertraglichen Unterrichtung:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgbeg/art_250__1.html
- Art. 250 § 2 EGBGB – Formblatt für die vorvertragliche Unterrichtung:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgbeg/art_250__2.html
- Art. 250 § 3 EGBGB – Weitere Angaben bei der vorvertraglichen Unterrichtung:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgbeg/art_250__3.html
- § 651a BGB – Vertragstypische Pflichten beim Pauschalreisevertrag:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__651a.html
- § 651v BGB – Reisevermittlung:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__651v.html
- § 651y BGB – Abweichende Vereinbarungen (halbzwingend):
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__651y.html
- Richtlinie (EU) 2015/2302 – Pauschalreiserichtlinie:
  https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:32015L2302

## Stand

- Letzte Änderung: 2026-08-07
- Letzte Prüfung: 2026-08-07
- In Kraft seit: 2018-07-01
- Status: In Kraft
- Quellen-Autorität: A
- Lizenz: CC BY 4.0
