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# Kieferorthopädische Behandlung (§ 29 SGB V) – KIG-Einstufung, 20 % Eigenanteil und Rückerstattung 2026

## Kurzantwort

Die gesetzliche Krankenkasse zahlt eine **Zahnspange** nicht bei jeder Fehlstellung, sondern nur bei **medizinisch begründeten Indikationsgruppen**, bei denen Kauen, Beißen, Sprechen oder Atmen erheblich beeinträchtigt ist oder zu werden droht (**§ 29 Abs. 1 SGB V**). Maßstab sind die vom Gemeinsamen Bundesausschuss festgelegten **kieferorthopädischen Indikationsgruppen (KIG)** mit den Behandlungsbedarfsgraden **1 bis 5** – ein Leistungsanspruch besteht **nur ab Grad 3** (Kieferorthopädie-Richtlinien, Anlage 1 und 2). Ist der Anspruch gegeben, zahlt die Kasse die Behandlung als Sachleistung, die Versicherten leisten aber zunächst einen **Eigenanteil von 20 %** an den Vertragszahnarzt (**§ 29 Abs. 2 Satz 1 SGB V**); ab dem **zweiten** gleichzeitig behandelten Kind unter 18 im selben Haushalt sind es nur **10 %** (§ 29 Abs. 2 Satz 3 SGB V). Dieser Eigenanteil ist **kein endgültiger Zuzahlungsbetrag**: Nach **planmäßigem Abschluss** der Behandlung erstattet die Kasse ihn **vollständig zurück** (§ 29 Abs. 3 Satz 2 SGB V). Kieferorthopädie zulasten der GKV gibt es grundsätzlich nur, wenn die Behandlung **vor Vollendung des 18. Lebensjahres** beginnt (§ 28 Abs. 2 Satz 6 Nr. 2 SGB V) – Ausnahme: **schwere Kieferanomalien**, die eine kombiniert kieferchirurgisch-kieferorthopädische Behandlung erfordern (§ 28 Abs. 2 Satz 7 SGB V). **Neu seit dem 30.07.2026:** Das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz hat zusätzlich eine **Qualifikationsanforderung an den Behandler** eingeführt – kieferorthopädische Behandlung zulasten der GKV darf nur noch erbringen, wer **Fachzahnarzt für Kieferorthopädie** ist, einen gleichwertigen Abschluss oder eine im Bundesmantelvertrag festgelegte ausreichende praktische Erfahrung besitzt (§ 28 Abs. 2 Satz 6 Nr. 1 SGB V); dazu gibt es eine lange Übergangsregelung in § 28 Abs. 2a SGB V.

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage Anspruch | § 29 Abs. 1 SGB V [gesetze-im-internet.de] |
| Anspruchsvoraussetzung medizinisch | Kiefer-/Zahnfehlstellung beeinträchtigt Kauen, Beißen, Sprechen oder Atmen erheblich [§ 29 Abs. 1 SGB V] |
| Einstufungssystem | Kieferorthopädische Indikationsgruppen (KIG), Grade 1–5 [KFO-RL Anlage 1 und 2, G-BA] |
| Leistungsanspruch besteht ab | Behandlungsbedarfsgrad 3 (nur Grade 3, 4 und 5) [KFO-RL Anlage 2] |
| KIG-Gruppen (Kürzel) | A, U, S, D, M, O, T, B, K, E, P [KFO-RL Anlage 2] |
| Zeitpunkt der Einstufung | Unmittelbar vor Behandlungsbeginn [KFO-RL Anlage 2 I. Nr. 1] |
| Maßgebliche Fehlstellung | Immer der Befund mit dem höchsten Behandlungsbedarfsgrad [KFO-RL Anlage 2] |
| Mitbehandlung geringerer Grade | Ab Grad 3 gehören auch Befunde ab Grad 1 zur vertragszahnärztlichen Versorgung [KFO-RL Anlage 2] |
| Eigenanteil Regelfall | 20 % der Kosten, direkt an den Vertragszahnarzt [§ 29 Abs. 2 Satz 1 SGB V] |
| Eigenanteil ab 2. Kind | 10 % für das zweite und jedes weitere Kind [§ 29 Abs. 2 Satz 3 SGB V] |
| Voraussetzung 10-%-Regel | Mind. 2 versicherte Kinder, bei Behandlungsbeginn unter 18, gemeinsamer Haushalt mit den Erziehungsberechtigten [§ 29 Abs. 2 Satz 3 SGB V] |
| Kein Eigenanteil auf | Konservierend-chirurgische und Röntgenleistungen im Zusammenhang mit der KFO-Behandlung [§ 29 Abs. 2 Satz 2 SGB V] |
| Rückerstattung | 100 % des geleisteten Eigenanteils nach medizinisch erforderlichem Abschluss laut Behandlungsplan [§ 29 Abs. 3 Satz 2 SGB V] |
| Altersgrenze GKV | Behandlungsbeginn vor Vollendung des 18. Lebensjahres [§ 28 Abs. 2 Satz 6 Nr. 2 SGB V] |
| Ausnahme Erwachsene | Schwere Kieferanomalien mit kombiniert kieferchirurgisch-kieferorthopädischem Behandlungsbedarf [§ 28 Abs. 2 Satz 7 SGB V] |
| Behandler-Qualifikation (neu ab 30.07.2026) | Nur Fachzahnarzt für Kieferorthopädie, gleichwertiger Abschluss oder ausreichende praktische Erfahrung nach BMV-Z [§ 28 Abs. 2 Satz 6 Nr. 1 SGB V] |
| Einführendes Gesetz | GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz vom 24.07.2026, BGBl. I Nr. 228, in Kraft 30.07.2026 |
| Konkretisierung Gleichwertigkeit/Erfahrung | KZBV und GKV-Spitzenverband im BMV-Z, spätestens bis 01.01.2027 [§ 28 Abs. 2 Satz 11 SGB V] |
| Übergang laufende Behandlungen | Alte Fassung gilt für vor Ablauf des 29.07.2030 begonnene KFO-Behandlungen [§ 28 Abs. 2a Satz 1 Nr. 1 SGB V] |
| Übergang Behandler (MSc KFO) | Bestandsschutz bei vor Ablauf des 29.07.2026 abgeschlossenem oder aufgenommenem MSc-Studium Kieferorthopädie [§ 28 Abs. 2a Satz 1 Nr. 2 SGB V] |
| Nachweispflicht Behandler | Gegenüber der zuständigen Kassenzahnärztlichen Vereinigung [§ 28 Abs. 2a Satz 2 SGB V] |
| Mehrleistungen | Selbst zu tragen; vergleichbare BEMA-Leistung bleibt Sachleistung [§ 29 Abs. 5 SGB V] |
| Zusatzleistungen | Nicht im BEMA enthaltene KFO-Leistungen, vom Bewertungsausschuss benannt [§ 29 Abs. 6 SGB V] |
| Pflicht vor Behandlungsbeginn | Mündliche Aufklärung über Alternativen und schriftliche/elektronische Mehrkostenvereinbarung [§ 29 Abs. 7 SGB V] |
| Kontrolle der Aufklärungspflicht | Anlassbezogene Prüfung durch die Kassenzahnärztliche Vereinigung [§ 29 Abs. 8 SGB V] |
| Fassung der KFO-Richtlinien | Beschluss vom 24.09.2003, in Kraft seit 01.01.2004 [G-BA] |
| Rein ästhetische Korrektur | Keine Kassenleistung [G-BA] |

## Geltungsbereich

§ 29 SGB V gilt für alle Versicherten der **gesetzlichen Krankenversicherung**. In der Praxis betrifft die Norm fast ausschließlich **Kinder und Jugendliche**, denn nach § 28 Abs. 2 Satz 6 Nr. 2 SGB V ist kieferorthopädische Behandlung nicht Teil der zahnärztlichen Behandlung, wenn die Versicherten bei **Behandlungsbeginn das 18. Lebensjahr bereits vollendet** haben. Maßgeblich ist dabei der Beginn, nicht das Ende der Behandlung – eine mit 17 begonnene Therapie darf also über den 18. Geburtstag hinaus zulasten der Kasse fortgeführt werden.

Für Erwachsene gibt es genau **eine** Ausnahme (§ 28 Abs. 2 Satz 7 SGB V): **schwere Kieferanomalien**, deren Ausmaß eine **kombinierte kieferchirurgische und kieferorthopädische** Behandlung erfordert. Der G-BA nennt als Beispiele angeborene Fehlbildungen und verletzungsbedingte Kieferfehlstellungen ab einem bestimmten Schweregrad. Eine erwachsene Person mit Engstand oder Zahnfehlstellung ohne diesen chirurgischen Behandlungsbedarf hat **keinen** Anspruch – auch nicht anteilig.

Privat Krankenversicherte fallen nicht unter § 29 SGB V; für sie gelten Tarifbedingungen und die GOZ. Beihilfeberechtigte richten sich nach den jeweiligen Beihilfevorschriften.

## Neu seit 30.07.2026: Wer darf überhaupt noch zulasten der GKV behandeln?

Mit dem **GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz vom 24.07.2026** (BGBl. I Nr. 228), in Kraft getreten am **30.07.2026**, wurde § 28 Abs. 2 Satz 6 SGB V neu gefasst. Die Vorschrift enthält jetzt **zwei** Ausschlussgründe. Kieferorthopädische Behandlung gehört **nicht** zur zahnärztlichen Behandlung, wenn sie erbracht wird

1. **durch Vertragszahnärzte ohne einschlägige Qualifikation** (Satz 6 Nr. 1) – also ohne Anerkennung als **Fachzahnarzt für Kieferorthopädie**, ohne einen dem Fachzahnarzt **gleichwertigen Abschluss** und ohne eine im **Bundesmantelvertrag für Zahnärzte** festgelegte **ausreichende praktische Erfahrung** in der kieferorthopädischen Behandlung, **oder**
2. **bei Versicherten, die zu Beginn der Behandlung das 18. Lebensjahr vollendet haben** (Satz 6 Nr. 2) – die bereits zuvor geltende Altersgrenze.

Die Ausnahme für **schwere Kieferanomalien** in Satz 7 bezieht sich ausdrücklich nur auf **Satz 6 Nummer 2**, also auf die Altersgrenze. Von der neuen Qualifikationsanforderung befreit sie **nicht**.

**Was noch offen ist:** Was als „gleichwertiger Abschluss" und als „ausreichende praktische Erfahrung" gilt, steht noch nicht fest. Die **Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung** und der **GKV-Spitzenverband** müssen dies **spätestens bis zum 1. Januar 2027** im Bundesmantelvertrag für Zahnärzte festlegen (§ 28 Abs. 2 Satz 11 SGB V); der **Bundeszahnärztekammer** ist vorher Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben, die in den Entscheidungsprozess einzubeziehen ist (Sätze 12 und 13).

**Übergangsregelung (§ 28 Abs. 2a SGB V):** Die **alte** Fassung von Satz 6 und 7 bleibt weiter anwendbar

- auf jede kieferorthopädische Behandlung, die **vor Ablauf des 29.07.2030** begonnen wurde (Abs. 2a Satz 1 Nr. 1), und
- auf Vertragszahnärzte, die **vor Ablauf des 29.07.2026** ein Studium mit dem Titel **Master of Science im Fachbereich Kieferorthopädie** abgeschlossen **oder aufgenommen** haben (Abs. 2a Satz 1 Nr. 2).

Diese Behandler müssen die Titelberechtigung bzw. das Datum der Studienaufnahme gegenüber der zuständigen **Kassenzahnärztlichen Vereinigung nachweisen** (Abs. 2a Satz 2).

**Praktische Bedeutung für Patienten:** Für laufende und in den nächsten Jahren beginnende Behandlungen ändert sich zunächst nichts – die Vierjahresfrist bis 29.07.2030 ist großzügig. Mittelfristig verengt sich aber der Kreis der Praxen, die KFO als Kassenleistung anbieten dürfen. Wer eine langjährige Behandlung plant, sollte die Qualifikation der Praxis erfragen; die zuständige KZV kann Auskunft geben.

## Das KIG-System – wann zahlt die Kasse überhaupt?

Ob eine Fehlstellung behandlungsbedürftig im Sinne des Gesetzes ist, entscheidet nicht das ästhetische Empfinden, sondern das **KIG-System**. Der G-BA hat es nach dem Auftrag aus § 29 Abs. 4 SGB V in den **Kieferorthopädie-Richtlinien** (Anlage 1 und 2) befundbezogen festgelegt. Der Zahnarzt oder Kieferorthopäde stuft **unmittelbar vor Behandlungsbeginn** ein und dokumentiert Indikationsgruppe und Behandlungsbedarfsgrad.

Die elf Indikationsgruppen werden mit Buchstaben bezeichnet:

- **A** – Lippen-Kiefer-Gaumenspalte bzw. andere kraniofaziale Anomalie (einschließlich bestimmter Fälle bei Trisomie 21)
- **U** – Unterzahl (nur bei indiziertem präprothetischem oder kieferorthopädischem Lückenschluss)
- **S** – Durchbruchstörungen: Retention oder Verlagerung (Weisheitszähne zählen nicht)
- **D** – Sagittale Stufe distal (Frontzahnstufe nach vorn)
- **M** – Sagittale Stufe mesial (Frontzahn-Kreuzbiss wird hier Grad 4 zugeordnet)
- **O** – Vertikale Stufe offen, auch seitlich (offener Biss)
- **T** – Vertikale Stufe tief (Tiefbiss, gestuft nach Gingivakontakt und traumatisierendem Einbiss)
- **B** – Transversale Abweichung: Bukkal-/Lingualokklusion (seitlicher Vorbeibiss)
- **K** – Transversale Abweichung: ein- oder beidseitiger Kreuzbiss (Kopfbiss = Grad 2)
- **E** – Kontaktpunktabweichung, Engstand
- **P** – Platzmangel (ab mehr als 3 mm Defizit Grad 3 oder 4)

Jede Gruppe ist in **fünf Behandlungsbedarfsgrade** unterteilt. Entscheidend sind zwei Regeln:

1. **Nur die Grade 5, 4 und 3 begründen einen Leistungsanspruch.** Die Grade 1 und 2 gelten als leichte Abweichungen ohne Krankheitswert – hier zahlt die Kasse nichts.
2. Aufgezeichnet wird immer **die Fehlstellung mit dem am höchsten bewerteten Behandlungsbedarf**. Liegt dieser Befund bei mindestens Grad 3, gehören anschließend **auch weitere Befunde ab Grad 1** mit zur vertragszahnärztlichen Versorgung. Ein Kind mit einem Grad-4-Befund bekommt also nicht nur diesen einen Befund behandelt.

Technisch gilt: Gemessen wird stets die **größte klinische Einzelzahnabweichung** in Millimetern, alle Messstrecken müssen in **einer** Ebene liegen – die Kieferrelation selbst ist nicht systemrelevant (KFO-RL Anlage 2, I.).

## 20 % Eigenanteil – und die vollständige Rückzahlung

Der oft missverstandene Kern von § 29 Abs. 2 und 3 SGB V: Die kieferorthopädische Behandlung ist **Sachleistung**, aber sie wird zunächst **nicht vollständig** von der Kasse getragen.

**Ablauf:**

1. Der Kieferorthopäde erstellt einen **Behandlungsplan** und reicht ihn bei der Krankenkasse zur Genehmigung ein. Die Kasse prüft die KIG-Einstufung.
2. Während der Behandlung zahlen die Versicherten **20 % der Kosten** direkt an den Vertragszahnarzt (§ 29 Abs. 2 Satz 1 SGB V). Der Zahnarzt rechnet die restlichen 80 % mit der Kassenzahnärztlichen Vereinigung ab (§ 29 Abs. 3 Satz 1 SGB V).
3. Sind **mindestens zwei versicherte Kinder** in kieferorthopädischer Behandlung, die bei Behandlungsbeginn **das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet** hatten und **mit ihren Erziehungsberechtigten in einem gemeinsamen Haushalt** leben, beträgt der Anteil für das **zweite und jedes weitere Kind nur 10 %** (§ 29 Abs. 2 Satz 3 SGB V).
4. Ist die Behandlung **in dem durch den Behandlungsplan bestimmten medizinisch erforderlichen Umfang abgeschlossen**, zahlt die Kasse den geleisteten Anteil **vollständig an die Versicherten zurück** (§ 29 Abs. 3 Satz 2 SGB V).

Wirtschaftlich ist der Eigenanteil damit ein **verzinsloses Pfand auf die Therapietreue**: Wer die Behandlung planmäßig zu Ende bringt, zahlt für die vertragszahnärztliche Regelversorgung im Ergebnis **null Euro**. Wer sie abbricht oder den Behandler ohne Fortführung wechselt, riskiert den Verlust der Erstattung. Der Eigenanteil gilt **nicht** für konservierend-chirurgische und Röntgenleistungen, die im Zusammenhang mit der KFO-Behandlung erbracht werden (§ 29 Abs. 2 Satz 2 SGB V) – diese laufen von vornherein als normale Sachleistung.

## Mehrleistungen und Zusatzleistungen – wo echte Kosten entstehen

Die realen Rechnungen in Kieferorthopädie-Praxen entstehen fast nie durch den 20-%-Anteil, sondern durch privat zu zahlende Extras. Das Gesetz unterscheidet sauber:

**Mehrleistungen** (§ 29 Abs. 5 SGB V) sind Leistungen, die den im **BEMA** (einheitlicher Bewertungsmaßstab für zahnärztliche Leistungen) abgebildeten KFO-Leistungen **vergleichbar** sind und sich nur in der **Durchführungsart** oder den **eingesetzten Behandlungsmitteln** unterscheiden – etwa Keramik- statt Metallbrackets oder Lingualtechnik statt außenliegender Apparatur. Hier gilt: Die **Mehrkosten** tragen die Versicherten selbst, die vergleichbare BEMA-Leistung wird aber weiterhin **als Sachleistung** über die KZV abgerechnet. Die Absätze 2 und 3 gelten entsprechend – der Zuschussmechanismus und die Rückerstattung bleiben also für den Kassenanteil erhalten.

**Zusatzleistungen** (§ 29 Abs. 6 SGB V) sind KFO-Leistungen, die **gar nicht** im BEMA enthalten sind. Der Bewertungsausschuss für zahnärztliche Leistungen benennt sie in einem Katalog; sie sind vollständig privat zu zahlen.

**Aufklärungs- und Formpflicht (§ 29 Abs. 7 SGB V):** Werden Mehr- oder Zusatzleistungen erbracht, muss der behandelnde Zahnarzt **vor Behandlungsbeginn**

- **mündlich** über die in Betracht kommenden Behandlungsalternativen aufklären,
- eine **schriftliche oder elektronische Vereinbarung** treffen, in der Kassenanteil und Eigenanteil **aufgeschlüsselt nach Leistungen gegenübergestellt** werden, und
- eine **Erklärung der Versicherten** einholen, dass über die Alternativen **einschließlich einer zuzahlungsfreien Behandlung auf BEMA-Grundlage** aufgeklärt wurde.

Für Vereinbarung und Erklärung gibt es **verbindliche Formularvordrucke** der Bundesmantelvertragspartner. Die Kassenzahnärztlichen Vereinigungen prüfen die Einhaltung dieser Pflichten **anlassbezogen** und können die Unterlagen anfordern (§ 29 Abs. 8 SGB V) – bei Übermittlung behandlungs- und rechnungsbegründender Unterlagen ist zusätzlich die schriftliche oder elektronische **Einwilligung des Versicherten** erforderlich.

Praktische Folge: Wer eine hohe Privatrechnung erhält, ohne dass diese Formulare vorliegen, sollte die Vereinbarung anfordern und sich gegebenenfalls an die zuständige KZV wenden.

## Häufige Fehler

- **„Die Kasse zahlt jede Zahnspange."** Falsch – Voraussetzung ist mindestens **KIG-Grad 3**. Fehlstellungen der Grade 1 und 2 sowie rein **ästhetisch** motivierte Korrekturen sind keine Kassenleistung (§ 29 Abs. 1 SGB V; G-BA).
- **„Die 20 % sind eine Zuzahlung, die ich nie wiedersehe."** Falsch – der Anteil wird nach **planmäßigem Abschluss** der Behandlung **vollständig zurückgezahlt** (§ 29 Abs. 3 Satz 2 SGB V). Er ist kein Zuzahlungsbetrag im Sinne von § 61 SGB V.
- **„Der 10-%-Satz gilt automatisch für alle meine Kinder."** Falsch – für das **erste** Kind bleibt es bei 20 %; nur das **zweite und jedes weitere** Kind zahlt 10 %, und nur bei gleichzeitiger Behandlung, Alter unter 18 bei Behandlungsbeginn und gemeinsamem Haushalt (§ 29 Abs. 2 Satz 3 SGB V).
- **„Ich muss die Behandlung vor dem 18. Geburtstag beenden."** Falsch – maßgeblich ist der **Behandlungsbeginn** vor Vollendung des 18. Lebensjahres (§ 28 Abs. 2 Satz 6 Nr. 2 SGB V). Eine laufende Behandlung endet nicht mit dem Geburtstag.
- **„Jeder Zahnarzt darf eine Kassen-Zahnspange machen."** Seit dem **30.07.2026** nicht mehr uneingeschränkt – § 28 Abs. 2 Satz 6 Nr. 1 SGB V verlangt Fachzahnarztanerkennung, gleichwertigen Abschluss oder ausreichende praktische Erfahrung. Wegen der Übergangsregelung (§ 28 Abs. 2a SGB V) greift das für vor dem 30.07.2030 begonnene Behandlungen aber noch nicht.
- **„Die Ausnahme für schwere Kieferanomalien hilft auch bei der neuen Qualifikationsregel."** Falsch – § 28 Abs. 2 Satz 7 SGB V nimmt ausdrücklich nur **Satz 6 Nummer 2** (die Altersgrenze) aus, nicht Nummer 1.
- **„Als Erwachsener bekomme ich gar nichts."** Differenziert – bei **schweren Kieferanomalien** mit kombiniert kieferchirurgisch-kieferorthopädischem Behandlungsbedarf zahlt die Kasse auch bei Erwachsenen (§ 28 Abs. 2 Satz 7 SGB V).
- **„Keramikbrackets sind komplett privat."** Differenziert – bei **Mehrleistungen** bleibt die vergleichbare BEMA-Leistung **Sachleistung**; privat zu zahlen ist nur die **Differenz** (§ 29 Abs. 5 SGB V). Wer die gesamte Behandlung privat abgerechnet bekommt, sollte das prüfen lassen.
- **„Eine mündliche Absprache über Mehrkosten reicht."** Falsch – § 29 Abs. 7 SGB V verlangt zusätzlich eine **schriftliche oder elektronische Vereinbarung** mit leistungsbezogener Gegenüberstellung der Kostenanteile sowie eine Erklärung des Versicherten auf verbindlichem Formularvordruck.
- **„Wenn ich die Behandlung abbreche, ist das folgenlos."** Falsch – die Rückzahlung setzt den Abschluss **im medizinisch erforderlichen Umfang laut Behandlungsplan** voraus (§ 29 Abs. 3 Satz 2 SGB V). Bei Abbruch entfällt der Erstattungsanspruch regelmäßig.











## Änderungsverlauf

- 2026-08-15: Erstveröffentlichung. Normtext § 29 Abs. 1–8 SGB V (Fassung TSVG vom 06.05.2019, BGBl. I S. 646) gegen dejure.org und gesetze-im-internet.de verifiziert; KIG-Systematik (Grade 1–5, Anspruch ab Grad 3, Gruppen A/U/S/D/M/O/T/B/K/E/P) gegen G-BA KFO-Richtlinien Anlage 1 und 2 belegt; Altersgrenze und Erwachsenen-Ausnahme aus § 28 Abs. 2 Satz 6 Nr. 2 und Satz 7 SGB V. Neue Behandler-Qualifikationsanforderung nach § 28 Abs. 2 Satz 6 Nr. 1 SGB V sowie Übergangsregelung § 28 Abs. 2a SGB V aufgenommen (GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz vom 24.07.2026, BGBl. I Nr. 228, in Kraft 30.07.2026). | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"

## Stand

- Stand: 2026-08-15
- Gültig ab: 2004-01-01 (Kieferorthopädie-Richtlinien des G-BA); § 29 SGB V in der Fassung des TSVG vom 06.05.2019; § 28 Abs. 2, 2a SGB V in der Fassung des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes ab 30.07.2026
- Status: aktuell
- Quellenautorität: A (SGB V, G-BA-Richtlinien)
- Lizenz: CC BY 4.0

## Quellen

- § 29 SGB V – Kieferorthopädische Behandlung:
  https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__29.html
- § 28 SGB V – Ärztliche und zahnärztliche Behandlung (Abs. 2 Satz 6, 7 und 11, Abs. 2a):
  https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__28.html
- dejure.org – § 28 SGB V (Normtext, Fassung ab 30.07.2026, Änderungshistorie):
  https://dejure.org/gesetze/SGB_V/28.html
- § 92 SGB V – Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses:
  https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__92.html
- § 87e SGB V – Zahlungsanspruch bei Mehrkosten:
  https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__87e.html
- dejure.org – § 29 SGB V (Normtext und Fassungshistorie):
  https://dejure.org/gesetze/SGB_V/29.html
- G-BA – Kieferorthopädische Behandlung (Themenseite):
  https://www.g-ba.de/themen/zahnaerztliche-versorgung/kieferorthopaedische-behandlung/
- G-BA – Kieferorthopädie-Richtlinien (Fassung vom 24.09.2003, in Kraft seit 01.01.2004):
  https://www.g-ba.de/richtlinien/28/
- G-BA – KFO-RL Anlage 1: Schema zur Einstufung des kieferorthopädischen Behandlungsbedarfs (KIG):
  https://www.g-ba.de/richtlinien/anlage/54/
- G-BA – KFO-RL Anlage 2: Kriterien zur Anwendung der kieferorthopädischen Indikationsgruppen:
  https://www.g-ba.de/richtlinien/anlage/55/

## Stand

- Letzte Änderung: 2026-08-15
- Letzte Prüfung: 2026-08-15
- In Kraft seit: 2004-01-01
- Status: In Kraft
- Quellen-Autorität: A
- Lizenz: CC BY 4.0
