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title: "Stablecoins unter MiCA — E-Geld-Token (EMT) und vermögenswertreferenzierte Token (ART)"
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# Stablecoins unter MiCA — E-Geld-Token (EMT) und vermögenswertreferenzierte Token (ART)

## Kurzantwort

Wertstabile Kryptowerte („Stablecoins”) sind unter der **Verordnung (EU) 2023/1114 (MiCA/MiCAR)** keine eigene Kategorie, sondern verteilen sich auf zwei streng regulierte Token-Arten: den **E-Geld-Token (EMT)**, der sich auf **eine einzige amtliche Währung** bezieht (z. B. ein an den Euro gekoppelter Token), und den **vermögenswertreferenzierten Token (ART)**, der seinen Wert an **einen Korb, einen anderen Wert oder ein Recht** koppelt (mehrere Währungen, Rohstoffe, andere Kryptowerte). Für beide gelten seit dem **30. Juni 2024** strenge Pflichten: EMT dürfen **nur Kreditinstitute oder E-Geld-Institute** ausgeben (Art. 48 MiCA), ART-Emittenten brauchen eine **vorherige Zulassung** (Art. 16 MiCA). Kern jeder Stablecoin-Regulierung sind das **jederzeitige Rücknahmerecht zum Nennwert** (EMT: Art. 49; ART: Art. 39), das **Zinsverbot** (EMT: Art. 50; ART: Art. 40) und — beim ART — eine **jederzeit voll gedeckte, getrennt verwahrte Reserve** (Art. 36 ff.). Besonders große Token („signifikante” ART/EMT) unterliegen zusätzlich der **direkten Aufsicht der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde (EBA)**.

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | Verordnung (EU) 2023/1114 (MiCA), Titel III + IV [eur-lex CELEX:32023R1114] |
| E-Geld-Token (EMT) | Wertbezug auf eine amtliche Währung [Art. 3 Abs. 1 Nr. 7 MiCA] |
| Vermögenswertreferenzierter Token (ART) | Wertbezug auf Korb/anderen Wert/Recht [Art. 3 Abs. 1 Nr. 6 MiCA] |
| Geltung Stablecoin-Regeln (Titel III/IV) | 30. Juni 2024 [Art. 149 MiCA] |
| EMT-Emittent | nur Kreditinstitut oder E-Geld-Institut [Art. 48 Abs. 1 MiCA] |
| EMT gilt als | E-Geld i. S. d. Verordnung [Art. 48 Abs. 3 MiCA] |
| Rücknahmerecht EMT | jederzeit, zum Nennwert, gebührenfrei [Art. 49 Abs. 4, 6 MiCA] |
| Zinsverbot EMT | ja [Art. 50 MiCA] |
| ART-Emittent | in EU niedergelassene jur. Person mit Zulassung oder Kreditinstitut [Art. 16 MiCA] |
| Reserve (ART) | jederzeit voll gedeckt, vom Emittentenvermögen getrennt [Art. 36 MiCA] |
| Verwahrung Reserve (ART) | segregiert verwahrt [Art. 37 MiCA] |
| Anlage Reserve (ART) | nur hochliquide Instrumente mit minimalem Risiko [Art. 38 MiCA] |
| Rücknahmerecht ART | dauerhaftes Recht der Inhaber [Art. 39 MiCA] |
| Zinsverbot ART | ja [Art. 40 MiCA] |
| Signifikanz-Kriterien | mind. 3 von Schwellen (Art. 43 ART / Art. 56 EMT): u. a. > 10 Mio. Inhaber, > 5 Mrd. EUR ausgegeben, > 2,5 Mio. Transaktionen bzw. > 500 Mio. EUR/Tag |
| Aufsicht signifikanter Token | EBA (ART: direkt; EMT: gemeinsam mit nationaler Behörde) [Art. 43 ff., 56 ff. MiCA] |
| Tausch­mittel-Obergrenze | bei > 1 Mio. Transaktionen und > 200 Mio. EUR/Tag als Zahlungsmittel: Ausgabe stoppen [Art. 23 MiCA; für EMT in Nicht-EU-Währung via Art. 58 Abs. 4] |
| Zuständige Behörde (DE) | BaFin (nach MiCA + KMAG) |

## Rechtsgrundlage

Stablecoins sind in **MiCA (VO (EU) 2023/1114)** in zwei getrennten Titeln geregelt:

**Titel IV — E-Geld-Token (Art. 48–58):** Ein EMT bezieht seinen Wert auf **eine einzige amtliche Währung** (Art. 3 Abs. 1 Nr. 7). Er gilt rechtlich als **E-Geld** (Art. 48 Abs. 3) und darf **nur von Kreditinstituten oder E-Geld-Instituten** ausgegeben werden (Art. 48 Abs. 1). Inhaber haben eine Forderung gegen den Emittenten und ein **jederzeitiges Rücknahmerecht zum Nennwert** (Art. 49). Auf EMT dürfen **keine Zinsen** gewährt werden (Art. 50). Die erhaltenen Geldbeträge sind nach den Vorgaben der E-Geld-Richtlinie zu **sichern** (Art. 54).

**Titel III — Vermögenswertreferenzierte Token (Art. 16–47):** Ein ART koppelt seinen Wert an **einen Korb, einen anderen Wert oder ein Recht** (Art. 3 Abs. 1 Nr. 6). Der Emittent braucht eine **vorherige Zulassung** (Art. 16) und muss eine **Reserve von Vermögenswerten** halten, die den Wert der Token **jederzeit voll deckt**, **rechtlich vom Emittentenvermögen getrennt** ist (Art. 36), sicher **verwahrt** wird (Art. 37) und nur in **hochliquide Finanzinstrumente mit minimalem Markt-, Kredit- und Konzentrationsrisiko** angelegt werden darf (Art. 38). Inhaber haben ein **dauerhaftes Rücknahmerecht** (Art. 39); ein **Zinsverbot** gilt auch hier (Art. 40).

## Anwendungsbereich / Wer ist betroffen

1. **Emittenten von EMT** (Euro-Stablecoins u. a.): müssen als **Kreditinstitut oder E-Geld-Institut** zugelassen sein und ein Whitepaper nach Art. 51 notifizieren.
2. **Emittenten von ART** (Multi-Währungs- oder rohstoffgedeckte Token): brauchen eine **ART-Zulassung** nach Art. 16 (in Deutschland bei der BaFin) und ein genehmigtes Whitepaper nach Art. 19.
3. **Anbieter von Kryptowerte-Dienstleistungen (CASP)**, die Stablecoins handeln, tauschen oder verwahren: unterliegen zusätzlich den CASP-Regeln (Titel V) und den Melde-/Transferpflichten.
4. **Nicht erfasst:** Kryptowerte ohne Wertstabilisierungsmechanismus (z. B. Bitcoin, Ether) — sie sind „sonstige Kryptowerte", keine Stablecoins.
5. **Signifikante ART/EMT:** Sobald ein Token die Signifikanz-Schwellen (Art. 43 bzw. Art. 56) überschreitet, treten **zusätzliche Pflichten** und die **EBA-Aufsicht** hinzu.

## Pflichten und Rechtsfolgen

**Pflichten der Emittenten:** Zulassung bzw. Institutsstatus vor Ausgabe; Veröffentlichung und laufende Aktualisierung eines Whitepapers; **volle Deckung und Rücknahme zum Nennwert** (EMT) bzw. **jederzeit voll gedeckte, getrennte, konservativ angelegte Reserve** und dauerhaftes Rücknahmerecht (ART); **Zinsverbot**; Governance-, Eigenmittel- und Interessenkonflikt-Vorgaben; regelmäßige **Berichterstattung** (Art. 22 MiCA, für signifikante Token an die EBA).

**Signifikante Token:** Ein ART/EMT gilt als signifikant, wenn er **mindestens drei** der Kriterien nach Art. 43 Abs. 1 (ART) bzw. Art. 56 (EMT) erfüllt — u. a. **mehr als 10 Millionen Inhaber**, ein **ausgegebener Wert über 5 Mrd. EUR** oder **mehr als 2,5 Mio. Transaktionen bzw. 500 Mio. EUR Tagesvolumen**. Für signifikante **ART** übernimmt die **EBA die direkte Aufsicht**; für signifikante **EMT** von E-Geld-Instituten üben EBA und nationale Behörde **gemeinsam** Aufsicht aus. Für jeden signifikanten Token richtet die EBA ein **Aufsichtskollegium** ein und stellt erhöhte Anforderungen v. a. an **Liquidität und Eigenmittel**.

**Tauschmittel-Obergrenze:** Wird ein ART innerhalb eines Währungsraums in großem Umfang **als Zahlungsmittel** genutzt und überschreitet dabei **1 Mio. Transaktionen und 200 Mio. EUR pro Tag**, muss der Emittent die **Ausgabe einstellen** und der Behörde einen Plan vorlegen, um unter die Schwelle zurückzukehren (Art. 23). Für EMT, die auf eine **Nicht-EU-Währung** lauten (z. B. US-Dollar), erklärt Art. 58 Abs. 4 die Art. 22 und 23 für anwendbar.

**Rechtsfolgen bei Verstoß:** Ausgabe ohne Zulassung/Institutsstatus ist **unzulässig**; die zuständige Behörde kann Zulassungen entziehen, die Ausgabe untersagen und Sanktionen verhängen. In Deutschland setzt das **Kryptomärkte-Aufsichtsgesetz (KMAG)** die aufsichtliche Durchsetzung und Bußgelder um; unerlaubte Emission kann zudem straf- und aufsichtsrechtliche Folgen haben.

## Fristen und Übergangsregelungen

- **30. Juni 2024:** Titel III (ART) und Titel IV (EMT) — und damit die Stablecoin-Regeln — gelten (Art. 149 Abs. 1 MiCA). Stablecoins waren damit **ein halbes Jahr früher** reguliert als die übrigen Kryptowerte-Regeln.
- **30. Dezember 2024:** übrige Teile von MiCA (CASP-Regeln, sonstige Kryptowerte) in Anwendung.
- **Kein allgemeines Grandfathering für Stablecoins:** Anders als bei CASP (Übergangsfrist bis längstens 1. Juli 2026) gilt für die Ausgabe von ART/EMT die Pflicht **seit dem 30. Juni 2024**; wer danach ohne Zulassung/Institutsstatus emittiert, handelt unerlaubt.
- **Konkretisierende Rechtsakte (laufend):** Delegierte Verordnung (EU) 2024/1506 (Indikatoren für die qualitativen Signifikanz-Kriterien), Durchführungsverordnung (EU) 2024/2902 und EBA-Leitlinien **EBA/GL/2024/16** (Berichtspflichten nach Art. 22), Delegierte Verordnung (EU) 2025/298 (Methodik für die Schätzung der Nutzung als Tauschmittel).

## Praxisbeispiel

Ein in der EU zugelassenes **E-Geld-Institut** möchte einen an den **Euro** gekoppelten Token ausgeben. Rechtlich ist das ein **EMT**: Das Institut muss vor Ausgabe als E-Geld- oder Kreditinstitut zugelassen sein, ein **Whitepaper nach Art. 51** notifizieren, jedem Inhaber **jederzeit die Rücknahme zum Nennwert** gewähren (Art. 49) und darf **keine Zinsen** zahlen (Art. 50). Die Tauschmittel-Obergrenze des Art. 23 gilt für einen solchen Euro-EMT nicht; sie betrifft ART und EMT, die auf eine Nicht-EU-Währung lauten (Art. 58 Abs. 4). Zugelassene ART- und EMT-Emittenten werden im **öffentlichen Register der ESMA** geführt; die **EBA** prüft laufend, ob ein Token die Signifikanz-Schwellen erreicht und damit unter ihre direkte Aufsicht fällt.

## Verwandte Normen

- **Art. 3 MiCA** — Begriffsbestimmungen (EMT, ART, Kryptowert)
- **Art. 48–58 MiCA** — E-Geld-Token (Emittent, Rücknahme, Zinsverbot, signifikante EMT)
- **Art. 16–47 MiCA** — vermögenswertreferenzierte Token (Zulassung, Reserve, Rücknahme, signifikante ART)
- **Art. 22 MiCA** — Berichtspflichten der Emittenten (an die EBA)
- **Art. 149 MiCA** — Anwendungszeitpunkte (30.06.2024 / 30.12.2024)
- **KMAG** — deutsches Kryptomärkte-Aufsichtsgesetz (nationale Durchführung, BaFin)
- **eWpG / § 1 Abs. 11 KWG** — Abgrenzung zu Kryptowertpapieren/Finanzinstrumenten
- **VO (EU) 2023/1113 (TFR)** — Travel Rule bei Transfers von Stablecoins

























## Änderungsverlauf

- 2026-10-22: Faktencheck abgeschlossen und **freigegeben** nach Korrekturen. Gegen MiCA-Text (VO (EU) 2023/1114; Art. 23, 43, 48, 49, 50, 54, 56, 58, 149 über springlex.eu/EUR-Lex-Text) und EBA-Seite geprüft: Signifikanz-Schwellen (10 Mio. Inhaber, 5 Mrd. EUR, 2,5 Mio. Transaktionen/500 Mio. EUR, mind. 3 Kriterien), Art. 23-Schwelle (1 Mio./200 Mio. EUR), Geltung Titel III/IV ab 30.06.2024 (Art. 149 Abs. 3), VO 2024/1506, 2024/2902, 2025/298, EBA/GL/2024/16 bestätigt. Korrigiert: E-Geld-Fiktion Art. 48 Abs. 2 -> Abs. 3; Rücknahme zum Nennwert/gebührenfrei Art. 49 Abs. 2/3 -> Abs. 4/6; Art. 23-Obergrenze gilt für EMT nur bei Nicht-EU-Währung (Art. 58 Abs. 4), Euro-EMT-Beispiel angepasst. | change_type=factcheck reviewed_by="Andreas Warkentin"
- 2026-07-23: Erstveröffentlichung der Faktenseite, alle Quellen-URLs gegen amtliche Stellen gegengeprüft, Frontmatter-Felder gesetzt (legal_status, authority_level, wikidata_subjects). | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"
## Stand

- **Stand:** 23. Juli 2026
- **Gültig ab:** 30. Juni 2024 (Titel III/IV MiCA, Art. 149)
- **Status:** aktuell, in Kraft
- **Quellenautorität:** A (EUR-Lex Primärrecht, EBA)
- **Lizenz:** CC-BY-4.0

## Quellen

- EBA — The EBA's supervisory role under MiCA (Signifikanz-Kriterien, direkte/gemeinsame Aufsicht, Aufsichtskollegien, Art.-22-Berichtspflichten):
  https://www.eba.europa.eu/activities/direct-supervision-and-oversight/ebas-supervisory-role-under-mica
- EUR-Lex — Zusammenfassung „European crypto-assets regulation (MiCA)":
  https://eur-lex.europa.eu/EN/legal-content/summary/european-crypto-assets-regulation-mica.html
- BaFin — Emission von E-Geld-Token und vermögenswertreferenzierten Token (nationale Zuständigkeit):
  https://www.bafin.de/

## Stand

- Letzte Änderung: 2026-10-22
- Letzte Prüfung: 2026-10-22
- In Kraft seit: 2024-06-30
- Status: In Kraft
- Quellen-Autorität: A
- Lizenz: CC BY 4.0
