{
    "slug": "verlustausgleich-tierzucht-15-abs-4-estg",
    "titre": "Verlustausgleichsverbot für gewerbliche Tierzucht und Tierhaltung (§ 15 Abs. 4 EStG) – Vieheinheitengrenzen, beschränkter Verlustvortrag und Definitiveffekt",
    "domaine": "steuerrecht",
    "statut_juridique": "in_force",
    "niveau_autorite": "A",
    "description": "Verluste aus gewerblicher Tierzucht oder gewerblicher Tierhaltung dürfen nach § 15 Abs. 4 Satz 1 EStG weder mit anderen Einkünften aus Gewerbebetrieb noch mit…",
    "resume_court": "Verluste aus **gewerblicher** Tierzucht oder gewerblicher Tierhaltung dürfen nach § 15 Abs. 4 Satz 1 EStG **weder mit anderen Einkünften aus Gewerbebetrieb noch mit Einkünften aus anderen Einkunftsarten** ausgeglichen werden; auch ein Abzug nach § 10d EStG ist ausgeschlossen. Sie mindern nach § 15 Abs. 4 Satz 2 EStG ausschließlich Gewinne, die **derselbe Steuerpflichtige** im unmittelbar vorangegangenen und in den folgenden Wirtschaftsjahren **aus gewerblicher Tierzucht oder Tierhaltung** erzielt hat oder erzielt. Ob eine Tierhaltung gewerblich ist, entscheidet sich an den **Vieheinheitengrenzen** des § 13 Abs. 1 Nr. 1 Satz 2 EStG: Wer sie überschreitet, erzielt insoweit gewerbliche statt landwirtschaftliche Einkünfte. Der Bundesfinanzhof hat mit Urteil vom **11. Juni 2026 – VI R 29/24** entschieden, dass diese Verlustausgleichsbeschränkung verfassungsgemäß ist – auch dann, wenn Verluste wegen der zeitlichen Streckung des Verlustvortrags am Ende **endgültig verfallen** („Definitiveffekt\u0022).",
    "faits": [
        {
            "point": "Rechtsgrundlage",
            "valeur": "§ 15 Abs. 4 Satz 1 und 2 EStG [gesetze-im-internet.de, § 15 EStG]",
            "autorite": "A"
        },
        {
            "point": "Verbotener Ausgleich",
            "valeur": "weder mit anderen Einkünften aus Gewerbebetrieb noch mit Einkünften anderer Einkunftsarten; kein Abzug nach § 10d EStG [§ 15 Abs. 4 Satz 1 EStG]",
            "autorite": "A"
        },
        {
            "point": "Zulässige Verrechnung",
            "valeur": "nur mit Gewinnen desselben Steuerpflichtigen aus gewerblicher Tierzucht/Tierhaltung – im unmittelbar vorangegangenen und in den folgenden Wirtschaftsjahren [§ 15 Abs. 4 Satz 2 EStG]",
            "autorite": "A"
        },
        {
            "point": "Verfahren",
            "valeur": "gesonderte Feststellung des verbleibenden Verlustvortrags; § 10d Abs. 4 EStG gilt entsprechend [§ 15 Abs. 4 Satz 2 Halbsatz 2 EStG]",
            "autorite": "A"
        },
        {
            "point": "Abgrenzung gewerblich / landwirtschaftlich",
            "valeur": "über die Vieheinheitengrenzen des § 13 Abs. 1 Nr. 1 Satz 2 EStG; Umrechnung der Tierbestände nach dem Futterbedarf [§ 13 Abs. 1 Nr. 1 Satz 2 und 3 EStG]",
            "autorite": "A"
        },
        {
            "point": "Vieheinheitenstaffel",
            "valeur": "erste 20 ha: max. 10 VE/ha · nächste 10 ha: max. 7 VE/ha · nächste 20 ha: max. 6 VE/ha · nächste 50 ha: max. 3 VE/ha · weitere Fläche: max. 1,5 VE/ha [§ 13 Abs. 1 Nr. 1 Satz 2 EStG]",
            "autorite": "A"
        },
        {
            "point": "Ergänzende Bewertungsvorschrift",
            "valeur": "§ 241 Abs. 2 bis 5 BewG ist anzuwenden (Zweige des Tierbestands, Reihenfolge der Zuordnung) [§ 13 Abs. 1 Nr. 1 Satz 4 EStG]",
            "autorite": "A"
        },
        {
            "point": "Gemeinschaftliche Tierhaltung",
            "valeur": "bleibt unter den Voraussetzungen des § 13b EStG landwirtschaftlich (u. a. hauptberufliche Land- und Forstwirte, Übertragung von Vieheinheiten, Entfernung höchstens 40 km) [§ 13 Abs. 1 Nr. 1 Satz 5 i. V. m. § 13b Abs. 1 EStG]",
            "autorite": "A"
        },
        {
            "point": "Zweck der Norm",
            "valeur": "Lenkungszweck: Schutz der traditionellen, mit der Bodenwirtschaft verbundenen Tierzucht und Tierhaltung vor dem Wettbewerb einer industriell betriebenen Tierproduktion [BFH, Urteil v. 11.06.2026 – VI R 29/24, Rz II.2.b, st. Rspr.]",
            "autorite": "A"
        },
        {
            "point": "Verfassungsmäßigkeit",
            "valeur": "bejaht; die Ungleichbehandlung ist nur am Willkürverbot zu messen und gerechtfertigt [BFH, Urteil v. 11.06.2026 – VI R 29/24, Leitsatz 1 und Rz II.3.a]",
            "autorite": "A"
        },
        {
            "point": "Definitiveffekt",
            "valeur": "auch der endgültige Verfall nicht genutzter Verluste gebietet keine „Umqualifizierung\u0022 in unbeschränkt ausgleichsfähige Verluste [BFH, Urteil v. 11.06.2026 – VI R 29/24, Leitsatz 2 und Rz II.4.b]",
            "autorite": "A"
        },
        {
            "point": "Kein Mindestmaß an Verlustverrechnung",
            "valeur": "aus Art. 3 Abs. 1 GG und dem Leistungsfähigkeitsprinzip folgt kein absolutes Mindestmaß der Verlustverrechnung [BVerfG, Beschluss v. 23.07.2025 – 2 BvL 19/14, Rz 115 ff., zitiert in BFH VI R 29/24, Rz II.4.b bb]",
            "autorite": "A"
        },
        {
            "point": "Kein Eigentumsschutz des Abzugspotenzials",
            "valeur": "nicht nutzbares Verlustabzugspotenzial ist keine von Art. 14 Abs. 1 GG geschützte vermögenswerte Rechtsposition [BVerfG, Beschluss v. 23.07.2025 – 2 BvL 19/14, Rz 106]",
            "autorite": "A"
        },
        {
            "point": "Vorlage an das BVerfG",
            "valeur": "scheidet aus (Art. 100 Abs. 1 GG) [BFH, Urteil v. 11.06.2026 – VI R 29/24, Rz II.5]",
            "autorite": "A"
        },
        {
            "point": "Zuständiges Verfahren",
            "valeur": "über die Ausgleichsfähigkeit wird bei der Einkommensteuerveranlagung entschieden, nicht im Feststellungsverfahren der Mitunternehmerschaft [BFH, Urteil v. 11.06.2026 – VI R 29/24, Rz II.1.a]",
            "autorite": "A"
        },
        {
            "point": "Zum Vergleich: allgemeiner Verlustvortrag",
            "valeur": "§ 10d Abs. 2 EStG – bis 1 Mio. € (2 Mio. € bei Zusammenveranlagung) unbeschränkt, darüber bis zu 70 % [§ 10d Abs. 2 Satz 1 und 2 EStG; § 52 Abs. 18b Satz 3 EStG]",
            "autorite": "A"
        }
    ],
    "sources": [
        {
            "titre": "§ 15 EStG (Einkünfte aus Gewerbebetrieb – Verlustausgleichsverbot in Abs. 4)",
            "url": "https://www.gesetze-im-internet.de/estg/__15.html",
            "autorite": "A"
        },
        {
            "titre": "§ 13 EStG (Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft – Vieheinheitengrenzen in Abs. 1 Nr. 1 Satz 2 bis 5)",
            "url": "https://www.gesetze-im-internet.de/estg/__13.html",
            "autorite": "A"
        },
        {
            "titre": "§ 13b EStG (Gemeinschaftliche Tierhaltung)",
            "url": "https://www.gesetze-im-internet.de/estg/__13b.html",
            "autorite": "A"
        },
        {
            "titre": "§ 10d EStG (Verlustabzug – Sockelbetrag und Prozentgrenze in Abs. 2, gesonderte Feststellung in Abs. 4)",
            "url": "https://www.gesetze-im-internet.de/estg/__10d.html",
            "autorite": "A"
        },
        {
            "titre": "§ 52 EStG (Anwendungsvorschriften – Abs. 18b Satz 3 zu § 10d Abs. 2, Abs. 22b zu § 13b, Abs. 23 Satz 2 zu § 15 Abs. 4 Satz 2)",
            "url": "https://www.gesetze-im-internet.de/estg/__52.html",
            "autorite": "A"
        },
        {
            "titre": "§ 241 BewG (Tierbestände – Zweige des Tierbestands und Zuordnungsreihenfolge)",
            "url": "https://www.gesetze-im-internet.de/bewg/__241.html",
            "autorite": "A"
        },
        {
            "titre": "BFH, Urteil vom 11.06.2026 – VI R 29/24, „Verlustausgleichsbeschränkung für Verluste aus gewerblicher Tierzucht/Tierhaltung in § 15 Abs. 4 Satz 1 und 2 EStG verfassungsgemäß\u0022, ECLI:DE:BFH:2026:U.110626.VIR29.24.0",
            "url": "https://www.bundesfinanzhof.de/de/entscheidung/entscheidungen-online/detail/STRE202610158/",
            "autorite": "A"
        },
        {
            "titre": "BFH, Urteil vom 11.06.2026 – VI R 29/24 (PDF-Fassung)",
            "url": "https://www.bundesfinanzhof.de/de/entscheidung/entscheidungen-online/detail/pdf/STRE202610158?type=1646225765",
            "autorite": "A"
        }
    ],
    "faq": [
        {
            "question": "Was regelt Verlustausgleichsverbot für gewerbliche Tierzucht und Tierhaltung (§ 15 Abs. 4 EStG) – Vieheinheitengrenzen, beschränkter Verlustvortrag und Definitiveffekt?",
            "reponse": "Verluste aus gewerblicher Tierzucht oder gewerblicher Tierhaltung dürfen nach § 15 Abs. 4 Satz 1 EStG weder mit anderen Einkünften aus Gewerbebetrieb noch mit Einkünften aus anderen Einkunftsarten ausgeglichen werden; auch ein Abzug nach § 10d EStG ist ausgeschlossen. Sie mindern nach § 15 Abs."
        },
        {
            "question": "Für wen gilt Verlustausgleichsverbot für gewerbliche Tierzucht und Tierhaltung (§ 15 Abs. 4 EStG)?",
            "reponse": "Betroffen sind alle Steuerpflichtigen, die Einkünfte aus gewerblicher Tierzucht oder Tierhaltung erzielen – als Einzelunternehmer oder als Mitunternehmer einer Personengesellschaft (typischerweise KG, GmbH \u0026 Co. KG oder OHG). Einstieg in die Gewerblichkeit. Einkünfte aus Tierzucht und Tierhaltung gehören nur dann zur Land- und Forstwirtschaft, wenn die Vieheinheitengrenzen des § 13 Abs. 1 Nr."
        },
        {
            "question": "Gibt es Ausnahmen bei Verlustausgleichsverbot für gewerbliche Tierzucht und Tierhaltung (§ 15 Abs. 4 EStG)?",
            "reponse": "Einhaltung der Vieheinheitengrenzen. Bleibt der Tierbestand innerhalb der Staffel des § 13 Abs. 1 Nr. 1 Satz 2 EStG, liegen Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft vor. § 15 Abs. 4 EStG greift dann von vornherein nicht; Verluste sind nach den allgemeinen Regeln ausgleichs- und abzugsfähig. Nur die überschießenden Zweige. Übersteigt die Zahl der Vieheinheiten die Grenze nachhaltig, gehören nach § 241 Abs."
        },
        {
            "question": "Welche häufigen Fehler gibt es bei Verlustausgleichsverbot für gewerbliche Tierzucht und Tierhaltung (§ 15 Abs. 4 EStG)?",
            "reponse": "„Tierhaltung ist immer Landwirtschaft.\u0022 Nein. Ob die Einkünfte land- und forstwirtschaftlich oder gewerblich sind, hängt allein vom Verhältnis der Vieheinheiten zur landwirtschaftlich genutzten Fläche ab (§ 13 Abs. 1 Nr. 1 Satz 2 EStG). Ohne ausreichende Fläche wird aus derselben Tätigkeit ein Gewerbebetrieb. „Die Verluste sind verloren.\u0022 Nicht zwangsläufig."
        },
        {
            "question": "Wie sieht ein Praxisbeispiel für Verlustausgleichsverbot für gewerbliche Tierzucht und Tierhaltung (§ 15 Abs. 4 EStG) aus?",
            "reponse": "Zur Veranschaulichung der Vieheinheitengrenze (schematische Rechnung nach § 13 Abs. 1 Nr. 1 Satz 2 EStG, keine amtlichen Werte eines Einzelfalls): Ein Betrieb bewirtschaftet regelmäßig 50 Hektar landwirtschaftliche Fläche. Die zulässige Vieheinheitenzahl errechnet sich staffelweise: | Flächenstufe | Fläche | Satz | Vieheinheiten | |---|---|---|---| | erste 20 ha | 20 ha | 10 VE/ha | 200 VE | | nächste 10 ha | 10 ha…"
        }
    ],
    "wikidata": [
        "Q1308205",
        "Q2516977",
        "Q80962",
        "Q728646",
        "Q702415"
    ],
    "valid_from": "2013-06-30",
    "valid_to": null,
    "derniere_revision": "2026-09-03",
    "derniere_verification": "2026-09-03",
    "statut_factcheck": "ok",
    "url": "https://nexvyra.de/fakten/verlustausgleich-tierzucht-15-abs-4-estg"
}