CBAM (VO 2023/956) – CO2-Grenzausgleich EU 2026, Sektoren, Zertifikate In Kraft
Kernfakten
| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | Verordnung (EU) 2023/956 vom 10.05.2023 |
| Übergangsphase | 01.10.2023 – 31.12.2025 (Berichte, keine Zertifikate) |
| Definitive Phase | Seit 01.01.2026 – volle Zertifikatspflicht |
| Betroffene Sektoren aktuell | Eisen/Stahl, Zement, Aluminium, Düngemittel, Elektrizität, Wasserstoff |
| Ausweitung | Kommissionsvorschlag vom 17.12.2025 (ca. 180 Downstream-Produkte Stahl/Alu, COM(2025) 989) – noch nicht beschlossen [EPRS 07/2026] |
| Anmelder | Zugelassener CBAM-Anmelder; Pflicht erst bei Einfuhr über 50 t Warenmasse/Jahr [Kommission, CBAM definitive regime] |
| DE zuständige Behörde | Deutsche Emissionshandelsstelle (DEHSt) im Umweltbundesamt |
| CBAM-Zertifikatspreis | 2026: Quartalsdurchschnitt der EU-ETS-Auktionspreise (Q1 2026: 75,36 €, Q2 2026: 75,28 €); ab 2027: Wochendurchschnitt [DEHSt] |
| Verkauf der Zertifikate | ab 01.02.2027 [DEHSt; VO 2025/2083] |
| Quartalsbestand | mind. 50 % der kumulierten eingebetteten Emissionen am Quartalsende [VO 2025/2083] |
| Anrechnung ausländischer CO2-Preis | Ja – tatsächlich gezahlter CO2-Preis wird abgezogen [Art. 9] |
| Meldeintervall Übergangsphase | Quartalsweise, spätestens Monatsende + 1 Monat nach Quartalsende |
| Melde-/Abgabeintervall definitive Phase | Jährliche CBAM-Erklärung und Abgabe der Zertifikate bis 30.09. des Folgejahres (für 2026: 30.09.2027); Rückkauf überzähliger Zertifikate bis 31.10.2027 [DEHSt; VO 2025/2083] |
| Schwellenwert (De-minimis) | 50 t Warenmasse/Jahr je Importeur über alle CBAM-Waren [VO 2025/2083]; ersetzt die frühere 150-€-Zollwertgrenze |
| Kostenlose ETS-Zuteilung | Wird für CBAM-Sektoren stufenweise abgebaut (bis 2034 vollständig weg) |
| Sanktion Nicht-Abgabe Zertifikat | 100 €/t CO2e (zugelassene Anmelder); 300–500 €/t CO2e ohne Zulassung [Art. 26 i. d. F. VO 2025/2083] |
| Sanktion falsche/verspätete Erklärung | Bis 50 €/t nicht-gemeldete Emission (nationalgesetzlich) |
| Transit-Ware | Nicht CBAM-pflichtig |
| Kleinsendungen (< 150 € Zollwert) | Nicht mehr maßgeblich – durch die 50-t-Massenschwelle ersetzt [VO 2025/2083] |
Geltungsbereich
Der CBAM erfasst den Import in die EU ausgewählter Waren aus Drittstaaten (außer Island, Liechtenstein, Norwegen, Schweiz — wegen ETS-Kopplung). Die Zolltarifnummern (KN-Codes) sind in Anhang I der VO aufgeführt. Betroffen sind:
- Zement (KN 2523) – Zementklinker, Portlandzement
- Eisen und Stahl (KN 72xx, 73xx – ausgewählte Positionen) – Roheisen, Stahlrohre, Bewehrungsstahl, verschiedene Halbzeuge
- Aluminium (KN 76xx) – unlegiert und legiert, Rohre, Stangen, Bleche
- Düngemittel (KN 2808, 3102, 3105) – Salpetersäure, Ammoniak, Harnstoff, andere N-Dünger
- Elektrizität (KN 2716) – Stromimport
- Wasserstoff (KN 2804 1000) – Wasserstoffgas, unabhängig vom Herstellungsverfahren
Übergangs- vs. definitive Phase
Übergangsphase (01.10.2023 – 31.12.2025): Importeure müssen quartalsweise CBAM-Berichte einreichen — mit eingebetteten Emissionen je importierter Ware, angewandter Herstellungsmethode und ggf. gezahltem ausländischen CO2-Preis. Keine finanzielle Belastung, nur Reporting-Pflicht. Berichte gehen über das CBAM-Übergangsregister der EU-Kommission.
Definitive Phase (ab 01.01.2026):
- Importeure über der 50-t-Schwelle müssen sich als zugelassene CBAM-Anmelder akkreditieren (in DE bei DEHSt)
- CBAM-Zertifikate kaufen in Höhe der eingebetteten Emissionen
- Jährliche CBAM-Erklärung bis 30.09. des Folgejahres einreichen (für 2026: bis 30.09.2027)
- Zertifikate abgeben – Verrechnung erfolgt jährlich; Zertifikate sind erst ab 01.02.2027 erhältlich
Der ausländische CO2-Preis wird verrechnet: Hat der Exporteur im Herkunftsland (z. B. UK, Kanada, China-Provinz mit Pilot-ETS) bereits einen CO2-Preis gezahlt, wird dieser vom CBAM-Preis abgezogen. Nachweispflicht liegt beim Importeur.
Wer ist praktisch betroffen?
Direkte Importeure:
- Stahlhändler mit Import aus Türkei, China, Indien, Russland
- Baustoffhändler mit Zementimport aus Türkei, Marokko, Belarus
- Aluminium-Verarbeiter mit Import aus VAE, China, Russland
- Landwirtschaftliche Genossenschaften mit Düngerimport
- Grenzkraftwerksbetreiber mit Stromimport
- Wasserstoff-Käufer (steigend relevant durch H2-Ausbaupläne)
Indirekt betroffen:
- Bauunternehmen und Sanierer, die betroffene Stahl-/Zement-/Alu-Importe verbauen (Preiseffekt)
- Automotive-Zulieferer mit Stahl/Alu aus Nicht-EU
- Chemie-Industrie mit Düngemittel- und Wasserstoff-Bezug
Preiseffekt für Endkunden 2026
Der CBAM verteuert emissionsintensive Importe. Der Zertifikatspreis folgt dem EU-ETS: Für Q1 2026 hat die Kommission 75,36 €/t CO2 festgesetzt, für Q2 2026 75,28 €/t. Vereinfachtes Rechenbeispiel (Annahmen, keine Prognose): Würde 1 t importierter Stahl 1 t eingebettetes CO2 enthalten und im Herkunftsland kein CO2-Preis gezahlt, entspräche die Belastung rund 75 € je Tonne Ware; ein nachgewiesener Preis im Herkunftsland wird abgezogen. Wie stark sich das auf Endkundenpreise auswirkt, hängt von den tatsächlichen Emissionen der Ware ab. EFTA-Länder mit ETS-Kopplung (Norwegen, Island, Liechtenstein) sind vom CBAM ausgenommen.
Häufige Fehler
- „CBAM gilt nur für Großindustrie." Falsch — Importeure sind erst ab 50 t Warenmasse pro Jahr als zugelassene Anmelder pflichtig; darunter besteht keine Zertifikatspflicht (frühere 150-€-Grenze entfallen).
- „Übergangsphase = keine Pflichten." Falsch — es besteht Berichtspflicht seit 01.10.2023. Die Übergangsphase ist seit 31.12.2025 beendet.
- „Ein CO2-Preis im Herkunftsland reduziert CBAM auf null." Nur teilweise — nachgewiesen gezahlte CO2-Preise werden abgezogen, die Differenz zum CBAM-Zertifikatspreis bleibt zu zahlen.
- „Transit-Ware ist CBAM-frei." Richtig — reiner Transit ohne Import in EU-Freikreis ist ausgenommen (Art. 4). Zwischenlagerung und Wiederausfuhr im Zolllager fällt darunter.
- „Recycling-Stahl ist CBAM-pflichtig." Differenziert — CBAM basiert auf eingebetteten Emissionen. Elektrostahl aus Schrott hat deutlich niedrigere Emissionen als Hochofen-Roheisen und damit auch niedrigere CBAM-Kosten.
- „EU-Länder können CBAM abschwächen." Falsch — es ist EU-Verordnung, direkt anwendbar, keine nationalen Ausnahmen.
Änderungsverlauf
- 2026-10-06: Faktencheck – korrigiert und freigegeben. Seite spiegelte den Stand vor der Omnibus-Vereinfachung (VO (EU) 2025/2083, in Kraft 20.10.2025). Korrigiert: Jahreserklärung 31.05. → 30.09. des Folgejahres (2026: 30.09.2027); Zertifikatsverkauf erst ab 01.02.2027; Preis 2026 Quartals-, ab 2027 Wochendurchschnitt (Q1 2026: 75,36 €, Q2 2026: 75,28 €; vorher 85 €/t unbelegt); De-minimis „150 € Zollwert“/„50 t CO2“ → 50 t Warenmasse/Jahr; Quartalsbestand 50 %; Sanktionen 100 €/t CO2e (300–500 € ohne Zulassung); „Ausdehnung 2030 Polymere/Chemikalien“ entfernt (nicht belegt) → Kommissionsvorschlag Downstream-Produkte vom 17.12.2025, noch nicht beschlossen; Beispielrechnung mit unbelegtem China-ETS-Preis ersetzt. Quellen: DEHSt, EU-Kommission, EUR-Lex-Dokumentseite VO 2025/2083, EPRS. | change_type=factcheck field="fact" old="31.05./150 €/85 €/t" new="30.09./50 t/75,36 €" reviewed_by="Nexvyra Freigabe-Aufholer"
- 2026-07-02: Erstveröffentlichung als EU-Welle-Topic. Übergangsphase (nur Berichte) bis 31.12.2025, definitive Phase seit 01.01.2026 (Zertifikatspflicht). Sektoren Eisen/Stahl/Zement/Alu/Düngemittel/Elektrizität/H2. DEHSt als DE-Behörde. Ausdehnung 2030 auf Polymere/Chemikalien angekündigt. | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"
Siehe auch
- [Wärmeplanungsgesetz (WPG) 2026](/fakten/waermeplanungsgesetz-wpg-2026.html)
- [GEG § 71 – 65-Prozent-Erneuerbare-Pflicht](/fakten/geg-71-65-prozent-erneuerbare.html)
Stand
- Stand: 2026-10-06
- Gültig ab: 2023-10-01 (Übergangsphase); volle Wirkung ab 2026-01-01
- Status: aktuell
- Quellenautorität: A (EUR-Lex, DEHSt, EU-Kommission)
- Lizenz: CC BY 4.0
Quellen
- Verordnung (EU) 2023/956 (CBAM) – Volltext EUR-Lex: https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32023R0956
- EU-Kommission – CBAM-Portal: https://taxation-customs.ec.europa.eu/carbon-border-adjustment-mechanism_en
- DEHSt – CBAM Deutschland: https://www.dehst.de/DE/Themen/CBAM/cbam_node.html
- DEHSt – CBAM-Zertifikate (Preise, Verkaufsstart, Fristen): https://www.dehst.de/DE/Themen/CBAM/CBAM-regelphase-ab-2026/CBAM-zertifikate/cbam-zertifikate_node.html
- EU-Kommission – CBAM definitive regime (50-t-Schwelle): https://taxation-customs.ec.europa.eu/carbon-border-adjustment-mechanism/cbam-definitive-regime_en
- Verordnung (EU) 2025/2083 (CBAM-Vereinfachung, in Kraft 20.10.2025): https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32025R2083
- EPRS – CBAM extension to downstream products (07/2026): https://eprs.europarl.europa.eu/contents/publications/EPRS/2026/07/EPRS_BRI(2026)789314.html
- CBAM-Übergangsregister EU-Kommission: https://taxation-customs.ec.europa.eu/carbon-border-adjustment-mechanism/cbam-legislation-and-guidance_en
- BMWK – CBAM-FAQ: https://www.bmwk.de/Redaktion/DE/FAQ/CBAM/faq-cbam.html
- Umweltbundesamt – Emissionshandel: https://www.umweltbundesamt.de/daten/klima/der-europaeische-emissionshandel